Nächtlicher Blick vom Chalet Richtung Süden

Dienstagnacht. Wieder taucht der Mond die Berglandschaft in mystisch-zauberhaftes Licht. Ein Nachtspaziergang ist angesagt. Geschickt trippeln wir auf den spiegelglatten Eisflächen, die sich da und dort auf der Strasse gebildet haben. Unsere Winterschuhe halten perfekt. Ein Liebespaar taucht auf, fühlt sich wohl etwas ertappt und wir wechseln ein paar Worte zur grandiosen Stimmung. Hier und da stelle ich das Stativ auf und knipse die Landschaft. An den gegenüberliegenden Berghängen schaufeln diverse Pistenfahrzeuge den Schnee hinauf und hinab. Die starken Scheinwerfer sind weithin wahrnehmbar, das Dröhnen der Maschinen ebenso. Der Skizirkus muss eben perfekt sein, der Diesel fliesst ja noch, und wir profitieren doch auch von den Winterwanderwegen. Es passt nur zu der Verschwendungsgesellschaft, die wir gestern Abend wieder einmal eindrücklich und pervers vor Augen geführt bekamen. Die Wolken waren allesamt künstlich. Langanhaltende und sich ausbreitende Kondensstreifen am ganzen Firmament. Als existierte Omikron nicht.

Verschwendung wie am Himmel so auf Erden
Rocher du Midi & La Douve im Mondlicht
La Lécherette by Night

Dienstag Nachmittag. Wir fahren im leeren Bus, welcher nun nicht mehr von Postauto, sondern seit dem Fahrplanwechsel von TPC betrieben wird, nach Col des Mosses hoch. Neben dem Parkplatz, welcher sich als Schlauch durchs ganze Dorf neben der Strasse hinzieht, sitzen wir auf einer Terrasse und essen feine Gemüsterösti mit Spiegelei und zum Dessert noch feineren Heidelbeerkuchen. Die junge, tätowierte Frau, welche erst den zweiten Tag hier arbeitet, ist aufgeschlossen und gesprächig. Wir verraten ihr, dass hinter dem Berg das verwunschene Heidelbeerland sei.
Dem kleinen Bach entlang spazieren wir nach La Lécherette zurück. Ein dichtes Netz aus Skipisten, Skater & Langlaufloipen, Winter- und Schneeschuhwanderwegen durchzieht die Hänge und den Talboden. Hier unten in der Senke bilden sich stets besonders grosse Eiskristalle: Dendriten. Es fasziniert uns immer wieder, wie atomare Strukturen und quantenmechanische Fänomene in unsere makroskopische Welt hinein wachsen. Diesmal sind die grössten Exemplare fast handtellergross. Wir gönnen uns einen ausschweifenden fotografischen Exkurs. Ebenfalls spannend sind die völlig verschneiten und vereisten Tannen, welche wenige Meter von völlig eis- und schneefreien Exemplaren stehen. Man sieht genau, wo tagsüber die Sonne hinscheint und wo nicht.
Auf dem Balkon zuhause angelangt, gönnen wir uns einen Kaffee und bestaunen den Sonnenuntergang, welcher um 15:31 erfolgt, auf die Minute genau, wie die App vorausberechnet hat.

Col des Mosses: Heidelbeerkuchen!
Das kleine, verwunschene Bächlein
Ice & Fire: Nur wenige Meter voneinander entfernt
Ein Goldbär steht im Walde
Dendriten
Dendritenstrukturen (Foto: Martin Heimgartner)
Die eisige Senke (Foto: Martin Heimgartner)
Eisiges Stelldichein
Eisiges Bächlein
Licht & Eis
Megadendriten!
Megadendriten, fast handtellergross!
Dendritenwald
Dendriten nah
Dendriten nah
Dendriten
Dendritenzauber
15:29, noch zwei Minuten bis Sonnenuntergang