Blick vom Rinderberg nach Zweisimmen hinunter.

Donnerstag. Es wird ein strahlender Tag mit perfekter Weitsicht! Und in der Tat, so ist es. Nach einer gemütlichen Fahrt im GoldenPass BelleEpoche Panoramazug nach Zweisimmen gönnen wir uns bereits eine Gemüserösti im Wintergarten des Bahnhofrestaurants. Dies, weil das Telefon des Bergrestaurants dauernd besetzt ist und wir es nicht wagen wollen, ohne Essen da zu stehen. In der Bäckerei Early Beck, der offenbar auch hierhin expandiert ist, decken wir uns nun endlich mit Süssem ein, welches wir bereits seit zwei Tagen jeweils vergassen, einzukaufen. Danach gondeln wir mit der Gondelbahn auf den Rinderberg. Sowohl neben der Mittel- als auch in der Bergstation gibt es offene Restaurants. Pech für sie…
Die Aussicht ist, einmal mehr, a-t-e-m-b-e-r-a-u-b-e-n-d! Die Berge sind ab 2000 m mit feinem Puderzucker verziert, und der polarisierte, blaue Himmel bildet den perfekten Kontrast dazu. Man sieht die Paradeberge Eiger, Mönch & Jungfrau ebenso wie die Diablerets und die Vanil Noir-Kette.
Auf dem Grat, und immer mit diesem Panorama um uns herum, gehen wir Richtung Hornflue. Auf einem Panoramabänkli gönnen wir uns eines dieser köstlichen Urdinkel-Guezli aus der Bäckerei und ignorieren den Rauchduft, den ein paar unverbesserliche Bergbauern absondern, weil sie die noch feuchten, geschnittenen Sträucher geradewegs auf der Weide verbrennen und die halbe Bergflanke einräuchern. Wir reden uns ein, das seien Klimaforscher, die nur messen wollen, wie hoch der Rauch steigt, um zu sehen, wo die Inversionsschicht beginnt. Oder so… In der Bergwirtschaft Hornfluh gönne ich mir einen kleinen Coupe Spitzhorn mit zwar nur einer Kugel Vanille-Glacé, dafür mit „Rhum Raisins und Vanille mit Rhum“. Ich verkomme da oben noch zur Schnapsdrossel. Martin hingegen bekommt einen Aprikosenkuchen, der dermassen dick ist, dass wir uns fragen, ob da wohl versehentlich zwei übereinander verbacken worden sind. Und es hat auch Zwetschgen drin. Ich bekomme zwei Probiererli, hmmmm! Im Treppenhaus zum Klo erhasche ich ein Regenbogenspektrum, welches irgendwie durch die Scheiben entsteht und auf die Wand projiziert wird.
Dann machen wir uns an den Abstieg nach Gstaad. Wir überholen einen überraschend jungen Mann, der, kaum ist der Weg etwas uneben, völlig unsicher hinabtrippelt. Weiter unten kämpft sich ein überraschend altes Ehepaar, je mit einem E-Bike belastet, den Wanderweg hinab. Ich verkneife mir eine Bemerkung.
Wir kommen beim Bahn-Viadukt Eingangs Dorf vorbei, an einem winzigen Bahnübergang für Fussgänger mit noch winzigeren Barrieren und schon sind wir auf der Hauptgasse. Schnell noch in den Coop und gerade reicht es uns noch auf den 17:34-Zug, wieder der gleiche BelleEpoche wie am morgen. Herr Saletti, der Buschauffeur, fährt uns zügig durch die kurvige Schlucht in unser Dorf hinauf.
Gestern Mittag fuhren wir nach Les Moulins runter zum Biohof, um Gemüse und Früchte zu kaufen. Der Bus zurück war dann voll mit Kindern, die in die herumliegenden Höfe gefahren werden. Viele werden dann wiederum von den Eltern, natürlich im Auto, an der Bushaltestelle abgeholt. Die Buben bedrängten Herrn Saletti: „Stefano, klaxonner, sïl te plâit!“, was soviel heisst, er solle doch endlich mal hupen für sie. Was er dann auch ein paarmal tut. Aber nur ganz kurz. Kein „Düü-daa-doo“, nur ein „Dü“. Beim Aussteigen rufe auch ich zu ihm nach vorne: „Klaxonnez, s’il vous plâit“, worauf er kurz und laut auflacht und mir tatsächlich auch ein kurzes „Dü“ schenkt. Heute jedoch lasse ich ihn in Ruhe und wir verabschieden uns artig. Als wir zum Chalet rauflaufen, steigt der zunehmende Mond gerade über den Bergen auf, welche rot daherleuchten.

Rinderberg Bergstation: Man beachte die Details
Eiger, Mönch & Jungfrau!
Altels & Rinderhorn
Rinderberg: Blick nach Osten
Rinderberg: Blick nach Westen
Rinderberg: Blick nach Süden; Diablerets
Rinderberg Panorama
„Klimaforscher“ am Werk
Gummfluh
Blick vom Bergrestaurant Hornfluh
Warten auf die Leckereien (Foto: Martin Heimgartner)
Auf der Terrasse des Bergrestaurant Hornfluh
Besagte Regenbogenerscheinung
Gstaad
Viele Kühe machen auch Mist
Gstaad: Das Viadukt
Der Mond ist aufgegangen