Oster-Sonntag. Gestern bekamen wir Besuch vom Osterhasen. Das heisst von einer Häsin, genauer von der Nachbarin Christine, die uns zwei mit viel Liebe selbst gefärbte Ostereier unter die Osterglocken legte. Das ist doch mal lieb! Heute morgen geniessen wir ebendiese genüsslich mit Demeter-Tartar.
Oktern, bekannt aus dem Sketch von Emil, war in meiner Kindheit lange das Wort für Ostern. Das Wort war nicht tot zu kriegen, und es nervte mit der Zeit. Heute, Jahrzehnte später und etwas altersmilde, finde ich es wieder lustig und soll hiermit noch einmal in Erinnerung gerufen werden.

Zum Nestbau gehört auch Selbstversorgung. OK, natürlich nicht zu 100%, aber wir fangen mal mit zwei Hochbeeten an, die wir auf dem selten benutzten mittleren Balkon platzieren. Eine automatische Bewässerung gewährleistet, dass nichts austrocknet. Das Prinzip ist genial, weil es rein physikalisch mittels osmotischem Druck und statischem Wasserdruck funktioniert. Schon vor 30 Jahren habe ich damit sehr erfolgreich meine diversen Pflänzchen grossgezogen und wurde nie enttäuscht. Das System heisst Blumat, und ich mache gerne etwas Werbung dafür, weil ich die technisch und energetisch viel zu aufwändigen Lösungen mit Zeitschaltuhren für unnötig halte.

Die Samen, die wir im Ebnihof kauften, sind zur Keimung erst gewässert worden und nun auf feuchtem Haushaltpapier platziert. Zwei Sorten davon sehen inzwischen aus wie Froschlaich. Hoffentlich wird noch was draus!

Während uns zum Frühstück noch Schostakowitschs 7. Sinfonie (»Leningrader«), 4. Satz Allegro non troppo – Moderato, begleitet, lauschen wir beim 2. Kaffee gespannt, was uns der Algorithmus für heute bereit gelegt hat: Eine Mischung aus Disco und Goa. Interessant! Dazu gönnen wir uns ein Kirschstengeli, aber nicht mit Kirsch, sondern mit Williams gefüllt und ohne Kruste. Es gibt sie auch mit Pflümli und natürlich auch mit Kirsch. Wir bekamen sie als Hochzeitsgeschenk von Fisch, einem Spieleabend-Freund von Martin. Sie sind wirklich saugut. Es ist übrigens saukalt und windig, aber wir packen uns warm ein in unsere Hochzeit-Hoodies und harren aus.

Nach einer Runde Yoga zaubern wir ein Kartoffel-Blumenkohl-Curcuma-Mascarpone-Gericht, dazu gibts Green-Mountain-Vegi-Burger und Salat mit Feta. Dann machen wir uns auf zu einer kleinen Runde am Fusse der Lägern. Beim Bauernhof mit der Familie Bucher wollen wir kurz hallo sagen, doch es hat drei Autos auf dem Platz und wir vermuten, dass wir da zu viel sind. Doch wir werden schon bald erspäht, und sowohl vom Küchenfenster als auch von der Haustüre aus werden wir freudig begrüsst. Ernst kommt zu uns raus und wir unterhalten uns eine Viertelstunde. Alle Rinder kommen aus dem Stall und wollen wissen, was abgeht. Ernst freut sich sehr, hat er doch seinerzeit sowohl im Kirchen- als auch im Männerchor gesungen, die Martin beide dirigierte, und beide sind immer noch eng befreundet. Am Waldrand entlang gehen wir danach Richtung Schöfflisdorf zurück und sehen etwas sehr seltenes: Bärlauch UND Herbstzeitlosen eng beieinander! Wir wundern uns immer darüber, dass so ein Tamtam darum gemacht wird, man solle sie nicht verwechseln. Klar, beide sind grün, beide haben eine ähnliche Blattform, aber nur der Bärlauch riecht nach Bärlauch, wenn man ihn zwischen den Fingern reibt. Und er fühlt sich elastisch an, als bestünde er zu einem Anteil von 20% aus Elastan. Des Weiteren ist seine Unterseite matt und klar verschieden zur Oberseite.

Und dann kommen wir am ersten Kirschbaum in voller Blüte vorbei. Es summt und brummt und ist eine wahre Freude.

Ihr habt einfach nette Nachbern! Ist ja rührend , dass Christine euch Eier unter die Osterglocken gelegt hat.
Ich glaube, dass ich jetzt auch Bärlauch von Herbstzeitlosen unterscheiden kann. Danke für die Aufklärung. Gutes Bild!
Die Aufnahme mit den Tassen und den Williamsstengeli ist super. Vielleicht würde sie bei einer Auktion auch einige Millionen einspielen.
Schneeschaufeln wieder auspacken, der Winter kommt leider zurück und der Zürisee hat nur 5.9° – Schade für die Blüten.
Und wir können nicht schwimmen gehen – bekomme bald ein «Holzbei» – wie der Gauner, vormals an der ETH… 😱