
Donnerstag. Urs und Franziska nehmen wir mit unseren GA-Mitfahrtageskarten mit und fahren nach Preda. Unsere zwei Bündner-Späher David (Lokführer bei der RhB) und Corina (Bergünerin) verrieten uns den Stand der Goldwerdung der Lärchen. JETZT! Mit dem Alpentaxi fahren wir noch hinauf zum Lai da Palpuogna, diesem wunderschön gelegenen Bergsee an der Albulapassstrasse. Wähnten wir uns bisher noch allein, werden wir hier eines Besseren belehrt. An jeder fotogenen Stelle lauern die Fotojäger, manche in Gruppen unterwegs, und knipsen die wahrlich unvergleichliche Szenerie im Akkord. Auch wir schiessen natürlich Fotos. Aber wir haben auch zwei neugebackene Skizzenzeichner mit dabei. Franziska wagt es, uns und die Umgebung zu portraitieren. Sie ist begabt und motiviert und wir erkennen uns auf Anhieb. Eine kolorierte Version schickt sie uns anderntags noch zu. Der Zufall wills, dass zwei aus dem Skizzierkurs neben uns auftauchen. Wir kommen noch kurz ins Gespräch mit einer älteren, chick gekleideten Frau mit Nikon-Kamera um den Hals. Sie wohnt in Davos Wiesen und ist mit ihren zwei Töchtern hier. Wir übergeben ihnen das eine Bänklein, von welchem man den besten Blick über den See hat.
Dann umrunden wir den See und lassen das Goldorange der Lärchennadeln auf uns wirken. Auch wenn die Sonne nicht scheint, ist es traumhaft schön. Ein wager Schwall nach Schwefelwasserstoff, welcher aus den Tiefen des Wassers heraufblubbert, findet den Weg in unsere Nasen. Dann stechen wir hinab durch einen Märchenwald, vorbei am Weiler Preda mit der gleichnamigen Bahnstation, wo wir vorhin ausgestiegen sind und folgen dem Bahnwanderweg entlang den Geleisen, welche sich in den weltberühmten Schleifen, Kehr- & Spiraltunnels hinab nach Bergün schlängelt. Immer mal wieder kommt einer dieser roten Züge und verleiht dem Gold, Gelb und Grün der Bäume mit ein paar Tupfern Blau des Himmels betörende Kontraste. Die Passstrasse umschlingt auf eigenen Pfaden das Bahntrassee und auch der Fluss Alvra (Albula) sprudelt lustig in seinem Bett talwärts. Wir gehen durch mächtige Viadukte hindurch, überqueren zerstörerische Murgänge und Bergbäche.
In Bergün angekommen, treffen wir uns mit Corina im Kurhaus. Corina kenne ich vom One Love, dieser berühmten mehrtägigen Goaparty, welche bis 2019 ein paarmal allsommerlich in Filisur stattfand. Zuletzt haben wir uns im Februar 2020, kurz vor Pandemieausbruch, zusammen mit Martin gesehen, als wir ein paar Tage zum Schlitteln hier oben verbrachten. Sie kennt jeden und jede hier und ist eine herzensgute Seele. Das Wiedersehen ist dementsprechend eine Freude. Das Kurhaus war einmal eine Familienherberge. Ich war 1985 mit ca. 100 ETH-Lehrlingen hier im Herbstlager. Jede der 10 Gruppen bewohnte einen Trakt. Gekocht wurde selbständig. Heute ist es sanft umgebaut und kann immer noch von Familien gemietet werden. Oder man ist einfach Hotelgast. Oder kommt auch nur ins Foyer zu Kaffee & Kuchen wie wir.
Dann verabschieden wir uns, fahren nach Landquart und essen im Binario den mega feinen Herbstteller vegi. Urs bekommt gnädigerweise SchniPo.
Leider ist der Himmel dunstig, und es wird uns der seltene Anblick des momentan am Westhimmel sichtbaren Kometen Tsuchinshan-Atlas verwehrt. Doch die schönen Erinnerungen des Tages kann dies nicht schmälern.

































Prächtige Bilder! Einfach sooooo schön. Diese Farben! Und das Porträt von Franziska ist ja umwerfend. Eine tolle Künstlerin. Könnte eine Goldbärenneujahrskarte geben. Auch die Gruppenbilder sind so schön. So haben wir Corina auch kennengelernt.
Der grosse Stein auf dem Weg gibt zu denken!
Unheimlich schön, dass ihr überall Leute kennt… nun Goldbären fallen natürlich ins Auge, auch wenn sie ganz vom herbstlichen Gold umgeben sind. Der Herbst in Neu England «Indian Summer» genannt, ist wahrscheinlich der Trost für das frühe Dunkelwerden.