Sur les „Pyramides de Gypse“

Mittwoch. Endlich ist es wieder etwas feucht, nachdem es am Dienstag geregnet hat. Das hat natürlich zur Folge, dass sich nun viele Quellwolken bilden, die sich dauernd und gerne um die Berge herum schmiegen. Deswegen gibt es auch nur einen Nachmittagsspaziergang nach Col de Mosses, auf der Suche nach einem unserer neuen Allrounder, der hier irgendwo auf einem Hof auf der Skipiste haust. Erst auf dem Rückweg, wir sind ganz mutig auf einem kleinen Weg durch den Sumpf gewandelt, hat es uns eine Frau mit eigenem Haus und schönem Garten verraten: Etwas weiter oben am Berg. Wir vertagen den Besuch.
Am Abend hilft uns Virgile, ein anderer Allrounder, Hölzer zuzuschneiden. Es gibt zusätzliche, halbe Treppenstufen im Atelier, so dass meine Schwiegereltern mühelos rauf- und runtersteigen können. Ein Tipp, der uns eine Chalet-Nachbarin und ehemalige Uni-Professorin gegeben hat. Genial einfach. Einfach genial!

Donnerstag. Die Prognose ist gut, Martin hat eine Idee. Wieder mit Bus und Bähnchen nach Les Diablerets. In einer Bäckerei Käse-Sandwiches machen lassen und Kaffee trinken. 41 Minuten später haben wir Anschluss mit dem Bus zum Col de la Croix. Nein, kein Kleber des Kreuzes, dafür schöne Aussicht zu den Dents du Midi und eine Welt voller kurioser, weisssteiniger, messerscharfer Hügel und Angst einflössender kleiner Löcher: „Pyramides de Gypse“. Von wegen Gips… Wir finden einen verschlungenen Pfad hindurch, erwarten hinter jedem Gebüsch und jeder Kuhle einen Dinosaurier und landen schliesslich auf einer Kuhweide. Traversierend erreichen wir Col-de-Bretaye. Hier führt eine Zahnradbahn von Villars-sur-Ollon hinauf und es eröffnet sich ein schickes Skigebiet in einem Kessel voller kleiner Seen, das jetzt im Sommer, oder besser Herbst, etwas verlassen wirkt. Mit dem einzigen Sessellift, der läuft, und dessen Billett-Elektronik streikt, so dass der junge Mann uns alles von Hand machen muss, fahren wir auf den Le Chamossaire. Diesen Berg sehen wir auch vom Chalet aus, und die Sicht ist wieder mal fantastisch. Das Gewölk ändert sich dauernd und gibt den Blick nach Süden und Osten nur zögerlich preis: Sujets!
In einer Stunde sind wir unten beim Lac des Chavonnes. Auf dem Weg dorthin sehen wir auf den Lac de Bretaye hinunter, nebenan den Lac Noir und kommen am Lac de l’Entonnoir vorbei, wo Kühe Seegras weiden. Das Restaurant, welches gleich heisst wie der See, macht ein bisschen auf Chic. Wir entscheiden uns für Salat mit Hobelkäse und Pilzrösti mit Morchelsosse. Es ist sehr fein. Ich schlottere, weil die Sonne hinter dem Haus und hinter der Wolke verschwindet. Nach dem Kaffee machen wir uns auf die Socken, gehen am lauschigen Bergsee mit Tiefstwasserstand entlang und auf verschlungenen Pfaden hinab nach La Forclaz, einem pittoresken Dörfchen, wo die Geranien einen Tick zu rot sind und die Gladiolen etwas gar hoch in den Himmel wachsen. Stichwort „Landi-Garten“…
Am bereit stehenden Büsschen, welches unser Lieblings-Busfahrer Jean ab und zu fährt, der aber nirgends zu sehen ist, weil er wohl kurz Pause macht, gehen wir vorbei und stechen wieder steil hinab Richtung Brücke, über die die beiden grünen Züglein von Le Sépey her einmal Richtung Les Diablerets und einmal hinab nach Aigle hötterlen. Prompt kommt das erste grüne Bähnchen und rauscht über den Abgrund. Kurz danach das Büsschen, ohne Jean. Es reicht uns mit 2 Minuten Spatzung auf den Bus. Monsieur Stefano Saletti fährt uns sicher mit dem Bus nach Hause. Ein Glace aus dem „Self“, wie der unbemannte Laden des Dorfes heisst, sei uns gegönnt. Ich muss die Kassensoftware noch neu starten, weil sie sich im Schlafmodus aufgehängt hat. Sonst hätte ich nicht bezahlen können. Dann staunen wir wieder einmal, warum der Bus auf „Quai W“ fährt, wo es doch gar keinen Quai hat…

Dents du Midi, gesehen von Col de la Croix
In den „Pyramides de Gypse“
Auf den „Pyramides de Gypse“
Auf den „Pyramides de Gypse“ (Foto: Martin Heimgartner)
Alpenfettkraut: Es wächst hier überall, sogar unterhalb überdüngten Kuhweiden!
Das Bähnchen von Villars-sur-Ollon nach Col-de-Bretaye
Col-de-Bretaye (Foto: Martin Heimgartner)
Aussicht von Le Chamossaire Richtung Rhonetal-Leysin-Les Mosses
Aussicht von Le Chamossaire Richtung Osten
Aussicht von Le Chamossaire Richtung La Lécherette
Aussicht von Le Chamossaire Richtung Aigle-Leysin. Rechts oben, unter den Wolken, der Genfersee
Aussicht von Le Chamossaire Richtung Le Sépey
Aussicht von Le Chamossaire Richtung La Berneuse
Abstieg, Aussicht nach Aigle
Blick zurück: Le Chamossaire (Foto: Martin Heimgartner)
Lac de Bretaye
Restaurant Lac des Chavonnes
Lac des Chavonnes: Tiefwasser
Lac des Chavonnes
La Forclaz
Auf der Brücke
Die Brücke nach Le Sépey
„Quai W“: Der Beweis!