Heer- und Frau-scharen anlockende Schönheit: Gelber Frauenschuh

Freitag. Es geht, nach Langem, wieder einmal auf Wanderschaft! Den Bus Nr. 23 in Schaffhausen zu finden ist eine grosse Herausforderung. Er kann sowohl im Süd- als auch im Nord-Busbahnhof fahren, aber verraten wird nicht, wann. Man muss eben schauen, weiter oben, steht im Süden. Er fährt im Norden, erfahren wir dank der SBB-App und dem genauen Plan. Dank einer halben Stunde Umsteigezeit reicht es noch für einen Espresso mit Sandwich- und Dessert-Kauf. In Bargen angekommen schauen wir uns im herzigen Dörfchen etwas um und schreiten dann eine endlos lange, stetig steigende Strasse hinauf, welche auf der ganzen Länge talseitig mit hunderten Helm-Knabenkräutern gesäumt ist, Richtung Tannbüel. Die deutsche Grenze ist immer nah, und manchmal überschreitet man sie auch kurz. Hier oben unterhält die Stadt einen kleinen Naturpark. Die Hauptattraktion sind die üppig blühenden gelben Frauenschuhe im lichten Walde, welche selbst gestandene Männer im gesetzten Alter reihenweise auf die Knie sinken lassen. Ja sogar in Liegepositionen wälzen diese sich auf den schmalen Wegen, mit teuren, riesigen Objektiven im Anschlag bewehrt, um die vermeintliche Rarität auch sicher in ganz besonderem Blickwinkel abzulichten, und in ihrer Verzückung und Fokussierung merken sie nicht einmal, dass es auch noch andere Besucher in ihrer Nähe gibt. Köstlich. Die Bänkli und Feuerstellen sind mit Senioren besetzt. Drei ältere Damen, die auf einer Bank an einem Waldhäuschen essen und an denen wir vorbei wollen, gackern und schmachten uns an, dass es schon fast etwas unheimlich ist.
In Oberbargen essen wir auf moosigen Steinen am Strassenrand. Die drei Silber-Seniorinnen holen uns ein und das Gegackere nimmt wieder seinen fröhlichen Lauf. Hier gibt es endlich Bio Suisse-Tafeln. Ein Hahn kräht erstaunlich melodiös. Wir finden ihn gleich um die Ecke. Während ich filme, kommt die Bäuerin herunter und wir kommen ins Gespräch. Es seien Brahma-Hühner. Bio ist hierzulande noch rar, wie sich heraus stellt.
Via Bäärewisli, wo angeblich der letzte Schaffhauser-Bär geschossen wurde auf dieser naturbelassenen, verlassenen Lichtung, gelangen wir via Iblenquelle, welche sich als nicht brauchbarer Brunnen entpuppt, zum Hagenturm. Wenn man auf der Plattform oben steht und senkrecht durch den Boden nach unten schaut, scheint der Turm fast zu verschwinden, weil man durch die Konstruktion hindurch bis zum Boden hinab sieht. Das ist selbst mir etwas unheimlich!
Hinab nach Beggingen gehts nun schnell und steil. Ein kurzer Abstecher noch zu einem Aussichtsbänkli, und weiter gehts. Wir kommen ins Syngenta-Land. In den Äckern stehen die kleinen Tafeln der Nervengift-Spritzer. Wieder ein Tal, welches nicht versteht, dass es bereits die Quellgebiete verseucht, und damit alles Land, das im Zuströmbereich und im Grundwasser-Fluss liegt. Hier im Dorf docken wir an unsere Wanderungen an und fahren zurück nach Schaffhausen, wo wir uns, schon fast traditionsgemäss, bei der Bäckerin nochmals einen Snack mit Heissgetränk gönnen.
Das Finden des richtigen Zugs zurück ist hier selbst mit der App eine schiere Unmöglichkeit. Trotz (oder gerade wegen?) der modernen Bildschirme sind die Züge und die Sektoren falsch abgeschrieben. Fatal, denn auf dem gleichen Gleis fahren zwei Züge!

Helm-Knabenkraut (Foto: Martin Heimgartner)
Grenzpfosten (Foto: Martin Heimgartner)
Man muss sich nicht auf dem Boden wälzen, mit der richtigen Kamera 😉
Bäärewisli (Foto: Martin Heimgartner)
Bärenhüttli
Iblenquelle (Foto: Martin Heimgartner)
Hagenturm von unten
Hagenturm von oben
Hegau-Vulkane und Windräder auf den Verenafohren