
Donnerstag. Etwas Sonne täte uns gut, denken wir, und planen eine Flachwanderung am Rhein. Mit was wir nicht rechnen, ist der Nebel. Eigentlich wollen wir bei Rüdlingen am Rhein starten. Das Postauto fährt von Rafz dahin, von oben her. In Buchberg steigen wir ausserplanmässig aus, da es sich gerade am Strand des Nebelmeers, oder besser Nebelflusses, befindet, welcher zäh über dem Rhein und somit unserem geplanten Startpunkt klebt. Im Restaurant Rebe, welches glücklicherweise offen hat im Gegensatz zu fast allen anderen Spelunken in der Umgebung, genehmen wir uns ein Käsesandwich und Kaffee zur Stärkung, bevor wir dann doch in die kalte Nebelsuppe hinab stechen. Die schmale Rheinbrücke wird gerade neu gebaut, und die Infotafel daneben zieht uns in ihren Bann. Sie zeigt auf, wie die Russen im Kalten Krieg bis 1988 die Brücken der Schweiz systematisch auf ihre Belastbarkeit hin in Nacht- und Nebelaktionen untersuchten und die Ergebnisse auf den Karten in kyrillischer Schrift festhielten. Angesichts des gerade heute morgen gestarteten Kriegs des russischen Psychopathen gegen die Ukraine ziemlich und erschreckend aktuell.
Wir gehen auf der linken Flussseite Richtung Tössegg. Kaum laufen wir los, löst sich auch der Nebel auf und feine Sonnenstrahlen zucken durch die Baumstämme. Das Restaurant öffnet erst am 1. März, und ein giftiger Wind bläst uns an der ansonsten so idyllischen Flussmündung entgegen. So verschieben wir das mitgebrachte Zmittagessen, in der Hoffnung, ein windstilleres Plätzchen zu finden. Martin erzählt von der Wanderung hier, als kleiner Primarschüler, und erinnert sich an viele Details. Auf dem Petersboden, welchen wir mittels einer schier unendlich langen Waldtreppe erreichen, siegt der Hunger dann doch. Der Wind bläst hier noch viel giftiger und weht uns schier fort. Wir flüchten etwas in den Wald hinab, ziehen die Kappen tief ins Gesicht und verschlingen den feinen, mitgebrachten Kürbis-Risotto. Ausgekühlt gehen wir weiter, lassen den Aussichtsturm Aussichtsturm sein und wärmen uns in Nussbaumen im Sternen auf. Es gibt frisch gebackenen Apfelstreuselkuchen.
Ziel ist die Migros Do it&Garden in Bülach, wo ich Spachtelmasse reserviert habe, welche für die neue Leinwand im Wohnzimmer verwendet wird. 14 kg schleppen wir zum Bahnhof, von wo es ab nach Hause geht.















Ja, Bülach-Rüdlingen war unsere Schulreise in der Unterstufe, vermutlich Sommer 1975, also genau gleich, nur umgekehrte Richtung und Bülach-Nussbaumen direkt (ohne Do it&Garden), dafür mit Schifffahrt von Rüdlingen nach Eglisau.
Mystische Aufnahmen – natürlicher Weichzeichner… hahaa
Ja genau! Man muss immer froh sein, wenn der Nebel wohldosiert ist: nicht zuviel, sodass man gar nichts mehr sieht, aber doch soviel, dass es etwas mystisch aussieht.
Das kalte Vorfrühlingswetter hatte auch die angenehme Begleiterscheinung, dass kaum Leute unterwegs waren. Zwischen Rüdlingen und Tössegg nur drei Personen mit zwei grossen Hunden. Im Sommer wandern hier wohl Tausende… Jetzt herrliche Ruhe!