
Donnerstag. Was wir letzte Woche verpasst haben, holen wir nun nach: Der Winterwanderweg von Hochwang über den Faninpass und die Arflinafurgga nach Heuberg. Wie Wiederholungstäter machen wir alles genau gleich. Sogar um die gleiche Uhrzeit stehen wir auf. Uschi hinter Glas an der Sesselbahn-Talstation erkennt mich zwar sofort wieder (nicht zuletzt, weil ich dem Skigebiet wegen letzter Woche ein Mail geschickt habe), doch sie gibt sich alle Mühe, es sich nicht anmerken zu lassen. Es gibt für 2 Bergfahrten, mit Karte bezahlt, nur einen Kaffee-Bon. Sie weiss wie man bestraft und dazu lächelt. Nächstes Mal zahlen wir separat, hehehe. Der tätowierte Partylöwe ist wieder da und empfängt uns an der Bergstation, wieder mit einem breiten Grinsen, doch diesmal etwas erwachsener. Die Rösti im Triemel muss sich Martin etwas erkämpfen. Die gebrochen Deutsch sprechende, freundliche Dame erkennt uns auch wieder. Wir nehmen die Rösti mit Ei, „das Gleiche wie letzte Woche“, wie sie erkennend wiederholt. Trotzdem kommt eine mit Schinken. Wir hätten das eben sagen sollen, meint der Laufbursche. Trotzdem gibt es dann die Vegirösti doch noch.
Diesmal habe ich sogar die Kamera mit dabei. Niemand scheint bemerkt zu haben, dass ich sie letzte Woche vergessen hatte. Nun gibt es zur Strafe ein paar Zoomaufnahmen bekannter Berge und Orte.
An der gefürchteten Kurve, wo der Weg vor sieben Tagen noch endete, geht er nun, so als wäre nichts geschehen, weiter. Alles perfekt. Man könnte mit Finken darauf laufen. Und schon bald sind wir am Punkt, wo wir umkehren mussten. Heute sehen wir schon von Weitem den Passübergang Arfinafurgga. Es sieht täuschend aus wie der Aufstieg vom Ganges via Kaschmir nach Ladakh, von wo man in die Hochebenen von Tibet hinunterschauen kann. Der Film erklärt die Details. Ausser einer Horde von etwa 30 Menschen allen Alters, welche uns schlittelnd entgegenkommen, treffen wir nicht auf viel Lebendiges. Die Aussicht ist wieder einmal atemberaubend. Bald schon kommen wir hinab nach Heuberge, ebenfalls einem kleinen Skigebiet mit gerade mal drei Skiliften. Im Restaurant finden wir einen Tisch, der gerade noch von der bereits tief liegenden Sonne beschienen wird. Die österreichische Wirtstochter kommt, und prompt geht das Spiel wieder einmal von vorne los. Sie begrüsst uns mit:
„Seid ihr Zwillinge?“
„Nein.“ antworten wir.
„Seid ihr Brüder?“
„Nein, Schwestern. Wenn jetzt alle Fragen beantwortet sind, würden wir gerne bestellen.“
Kurze Pause, dann stellt sie auf professionell um. Alles ok. Ihre Kollegin trägt dieselbe Pürzi-Frisur und sieht ihr zum Verwechseln ähnlich. Ob es wohl ihre Zwillingsschwester ist, fragen wir uns…
Die Strasse hierher ist schneebedeckt und darf nur von Shuttel-Korsos befahren werden. Sie dient auch als Schlittelpiste und ist 12 Kilometer (!!) lang. Jaja. Oben noch etwas Sonne, dann die restlichen 11 km im Schatten. Es will und will fast nicht mehr enden. Leicht tiefgefroren kommen wir unten in Fideris an. Aber es hat Spass gemacht, sogar auf den vereisten Stellen und den Korsos, bestehend aus vier Kleinbussen von unten nach oben und einem von oben nach unten, die wir kreuzen.
Fideris ist ein schönes Bündner Dörfchen mit wundervoller, alter Bausubstanz, wie mein Goldbär stets zu sagen pflegt. Alle Beizen sind zu, nur der Volg ist offen und wir wärmen uns an einem Pfefferminztee. Dann torkeln wir auf der eisigen Strasse hinab zur Bahnstation und nehmen dort den Bus nach Schiers und fahren weiter mit dem Zug nach Landquart. Im tollen Binari essen wir wieder vorzüglich und sehr zügig. Polenta mit Gorgonzola und ein feiner Salat.
Die Rückfahrt mit Pause im Zürcher Hauptbahnhof, die wir zum Einkaufen nutzen, ist Routine.






















[…] alle schneebefreit, und wir gönnen uns kurze Umzieh- und Trinkpausen. Der Blick hinüber in die Heuberge, wo wir vor einem Jahr schlittelten, begleitet uns den ganzen Tag.Beim Pany Güggelstein, bei der […]
Lieber Michael und lieber Martin
Danke für die schönen Aufnahmen. Ihr habt wieder viel erleben können – Ihr macht das ja gut! liebe Grüsse: Suzanne
Traumhafte Bilder! Konntet ihr auf dem Pass im Tibet Schlitten mieten? Der Film hat riesigen Spass gemacht. Ich staune, dass nach solchen Riesenwanderungen am selben Abend noch der Blog geschrieben wird. Chapeau!!!
So schön das Gebiet Hochwang ist, punkto Kommunikation ist es manchmal etwas schwierig, was teilweise auch an den Deutschkenntnissen liegt. Ein paar Beispiele:
1) Kunde: Sie haben wohl lieber, wenn man bar bezahlt?
Kassierin lässt Kunden mit genüsslichem Lächeln in den Hammer laufen.
Kunde bezahlt und sieht dann das Schild: »Bei Kartenzahlung gibt es einen Bon für Gratiskaffee.«
2) Kunde: »Wir möchten Triemel-Rösti, aber ohne Speck.«
Verkäuferin: »Rösti hat kein Speck.«
Kunde: »Ah, im Internet stand, dass die Triemel-Rösti Speck hat.«
Verkäuferin: »Nein, hat sie nicht!«
Eine Woche später bestellt Kunde wieder Rösti und bekommt solche mit Speck. Dieselbe Verkäuferin: »Das hätten Sie halt sagen müssen.«
Koch: »Dann mach ich Rösti vegan mit Käse und Spegelei!«
Verkäuferin: »Das ist vegetarisch, nicht vegan!«
3) Ein anderer Kunde bestellt Tee und möchte mit Kaffeebon bezahlen.
Verkäuferin: »Das geht nicht! Bon geht nur für Kaffee.«
Kunde: »Dann bezahle ich den Tee halt. Ich trinke keinen Kaffee.«
Verkäuferin: »Aber das ist doch kein Problem! Ich rechne Ihnen den Bon einfach für Tee an.«
4) Kunde isst gemischten Salat. Eine Woche bestellt er wieder gemischten Salat. Kommt grüner Salat. Kunde: »Ich habe aber gemischten Salat bestellt.« Verkäuferin geht mit grünem Salat in die Küche und kommt wieder zurück mit dem grünen Salat: »Das ist gemischter Salat.«
Es gäbe noch andere lustige Dinge zu erzählen. Einiges steht schon im Blog. Kurz: Man muss einfach ein bisschen Freude an so absurden Szenen haben, dann ist Hochwang auch kommunikativ ein Hochgenuss…
Spannende Geschichten – aber 12 km Schlitteln, das hätte ich nie gedacht… nun – ihr seid ja noch jung.
Trotzdem gratuliere ich zur Leistung, denn es dauerte doch sicher eine Stunde bis ihr dann in Leh* (Hauptort von Ladakh) angekommen seid.
Ich wiederhole mich – wunderbare Bilder von Eurer Expedition.
*(vielleicht in Fideris…?)
Nein, nicht Leh, sondern Lhasa! Das Schlitteln war schon auf der »tibetischen« Seite 😉