
Donnerstag. Oudiou. Was wie ein pseudoberndeutsches Wort aus der Grammatik-Küche von Franz Hohler klingt, ist ein kleiner Gupf (für meine deutschen Leser*innen: Kleiner Berg) unterhalb vom Pic Chaussy. Von Les Mosses, nach obligatem Espresso im Restaurant Le Chaussy, folgen wir dem kleinen Tal hinab nach La Comballaz, wo wir gestern Abend den Bus zurück genommen haben. Dort, im Restaurant „Auberge de la Comballaz“, nehmen wir auf der sonnigen Terrasse Platz und lassen uns ein vorzügliches Moitié-Moitié-Fondue servieren. Als der Bus von Le Sépey her kommt, kurbelt der Wende-Wunder-Chauffeur das Fenster runter und ruft uns ein „Bon appétit!“ zu. So fühlt man sich schon ein bisschen wie zuhause. Es ist so heiss, dass wir im Shirt dasitzen und schwitzen. Der Chef vom „Le Self – Ma Vache à Moi“, dem kleinen 24/7-Laden, welcher neu an der Haltestelle La Lécherette Village geöffnet hat, fährt höchstpersönlich vor und gönnt sich mit anderen lokalen Einwohnern eine Pause. An seinem Hof „Sciaz“ wanderten wir schon ein paar Mal vorbei. Wir schätzen es, dass die lokalen Bauern wieder die Zügel selber in die Hand nehmen und nicht mehr den Aktiengesellschaften hinterherhecheln. Die Webseite und die Filme haben uns beeindruckt: mavacheamoi.ch
Auf dem Schneeschuhweg stapfen wir nun also hinauf auf den Gupf namens Oudiou. Zwei Stunden brauchen wir, auch, weil wir an den Südhängen immer mal wieder einsinken, da wir ja keine Schneeschuhe tragen. Wir kommen uns vor wie die berühmte Schnecke im Ziehbrunnen, die am Tag zwei Meter hinaufkriecht und in der Nacht einen hinunterrutscht. Etwas k.o. kommen wir oben an und schauen bis ins Rhonetal, Les Diablerets, La Berneuse, ja sogar bis zum Chalet. Es gibt Linzertorte und Tee. Der Abstieg ist in einer Stunde geschafft, und nach einer weiteren halben Stunde sind wir im Restaurant Relais Alpin in Les Mosses und mampfen wieder vom deliziösen Heidelbeerkuchen. Es ist dunkel, als wir im Chalet ankommen.









Lavachamoi in La Sciaz und das 24/7-Lädeli in Lécherette, die Biobauern von Potag’Œx in Les Moulins, das vorzügliche Essen mit selbstgemachten Kuchen im Relais (Bivouac) in Les Mosses, die Auberge de la Comballaz – irgendwie spüre ich hier momentan überall einen innovativen Spirit, den ich seit 33 Jahren mir gewünscht habe. Endlich scheint er da zu sein!
Das wäre schön, wenn wenigstens viele Welsche, sich vom Schweizer Agrardschungel lossagen würden – au revoir: Fenac – au revoir : UDC – Tschüss: Emmi !
Tolle Schnee-Aufnahmen – mit Zeichnung im weissesten Weiss.
Schöne Festtage in der Romandie.