
Samstag. Wandergrüppli Reunion.
Die Reise dauert mehr als eine Stunde länger als ins Tessin! In Ziegelbrücke steigen wir zu Verena in die Holzklasse, picken Franziska und Urs in Ennenda auf und hüpfen in Linthal in den „Urnerboden Sprinter“, ein Alpentaxi, das jetzt, im Winter, anstelle des Postautos fährt. Man muss es reservieren und separat bezahlen. Wir sind unerwarteterweise die Einzigen im Büssli. Das Restaurant Urnerboden liegt noch im Schatten, dafür ist die Herbststimmung ringsum umwerfend goldig und bleibt es auch den ganzen Tag.
Nach dem Essen durchschreiten wir den Urnerboden wieder zurück Richtung Braunwald. Der Wanderweg ist noch im Schatten, deshalb gehen wir der Passstrasse entlang. Die Anzahl Töfffahrer nimmt erst langsam zu, zu kalt war es ihnen wohl am Morgen. Die Beizen sind alle offen, und auf einer sonnigen Terrasse in der „Sonne“ gönnen wir uns den ersten Halt.
Die Flusslandschaft mäandert wie der Wanderweg durch das Tal, bis wir dann links, nach dem grossen Kantonsgrenzstein, dessen Sage und der dazugehörige Grenzlauf uns bewusst ist, einen ersten Aufstieg absolvieren. So sehen wir den Urnerboden und die umliegenden Berge noch in seiner vollen Pracht.
Die Farben leuchten um die Wette, die Sonne, schräg und golden, steht schon bedrohlich tief, doch schaffen wir es noch, in dieser Beleuchtung bis zur Gartenterrasse Nussbüel, ein Restaurant mit Sicht ins Linthal. Genau 8 Minuten noch, meint die App, bevor die Sonne untergeht, was aber schon nach 6 Minuten geschieht. Bäume werden eben nicht berücksichtigt. Es reicht für das Dessert, dann machen wir uns auf, um etwas zu spät und gleichzeitig etwas zu früh an der Standseilbahn ins Tal anzukommen. Es gibt jedoch gerade eine passende Fahrt dazwischen, und unten angekommen, entscheiden wir uns, wegen fehlendem Zug-Anschluss, eine Station nach Rüti zu laufen, der schönen Linth entlang.
Am Bahnhof reicht es noch für ein paar Dehnungsübungen, um dann gemütlich nach Glarus zu fahren, wo wir im uns bestens bekannten Restaurant Schützenhaus, welches inzwischen mit einer schicken Beinahe-Rehenbogenbeleuchtung in Gelb-Orange-Grün-Rot angestrahlt wird, fein dinieren. Auch Monika, die tagsüber freiwillige Waldarbeit verrichtet hat, stösst zu uns. Ein schönes Wiedersehen und fröhliche Gesichter!


















Tolles Wandergrüppli – erfreut Verena dabei zu sehen…
Wie immer wunderschöne Fotos – die Herbstfarben sind umhauend.
Der seltsame Grenzverlauf auf dem Urnerboden ist nicht der einzige in Uri: Auch am Surenenpass gehören die Gebiete auf der Engelberger Seite bis zum bekannten Restaurant Alpenrösli zu Uri. Am Chinzig Chulm hat Uri grosse Gebiete auf der Muotataler Seite. Dafür gehören die obersten Gebiete auf der Urner Seite am Gotthardpass bereits zum Tessin.
Auch anderswo begegnet dieses Phänomen, das wohl mit alten Weiderechten zusammenhängt. An der Gemmi verläuft die Walliser Grenze weit unter der Wasserscheide auf der Spittelmatte beim Sunnbüel ob Kandersteg. Der oberste Teil des Val Madrisch (südlich von Andeer) wurde vom Bergell aus bewirtschaftet, etwa über den Passo di Pragsgnuola. Um den Zustieg für Mensch und Vieh etwas zu »erleichtern«, wurde die berühmte Prasgnuolatreppe in den Fels gebaut.