Hier sollte der Albulasee sein (Foto: Martin Heimgartner)

Freitag. Herbst, das Wetter ist etwas stabil, ab in die Berge! Um 6:38 h fahren wir los und sind um 10:30 in Preda. Ein paar andere Wandervögel steigen auch aus dem langen Alvra-Zug. Aber die allermeisten nehmen den Bahnwanderweg nach Bergün hinunter. Wir hingegen steigen hinauf zum Lai da Palpuogna, den wir nun schon zum 4. Mal besuchen. Es sind Herbstferien, und Kreti & Pleti fährt, natürlich mit dem Auto, hierhin und flutet die Ufer des traumhaft schönen Bergsees. KI sei Dank eliminiere ich alle störenden Elemente aus den Aufnahmen. Schnurstracks gehts weiter. Wir kommen an der Albulaquelle vorbei. Diesmal beleuchtet die Sonne perfekt den Wasserschwall, der sich hier aus dem Berg über die Felsen ergiesst. Dann ist es noch ein Katzensprung und wir sind auf der Passhöhe: Pass d’Alvra. Autos, Töffs und Velos kreuzen sich hier. Dazwischen wir. Im hinteren Stübli, das noch fein nach frischem Holz riecht, finden wir ein gemütliches Eckchen. Wir bestellen Tagliatelle mit Gemüse und zum Dessert Schoggi- & Blechkuchen. Wir kommen mit Jeanette kurz ins Gespräch. Sie hat nach dem grossen Sturm „Vaia“ mit 180 km/h Windgeschwindigkeiten (2018), als es das Dach wegfegte, das frisch aufpolierte Gasthaus übernommen. Sie kommt, wie ich, aus dem Säuliamt, genauer von Mettmenstetten, und freut sich sehr über unseren Besuch. Vom Nachbartisch, wo zwei kleine Hunde am Boden auf irgendwas rumkauen und ein Mann-Frau-Pärchen sitzt, kommt noch die obligate „seid ihr Brüder?“-Frage, die ich mit „nein, wir sind verheiratet, das wäre ja sonst Inzest“ beantworte.
Dann gehen wir über die grosse Hochebene, die von Kargheit geprägt ist. Bäume gibts keine mehr auf 2’300 müM. Die Berge links und rechts zerfallen und hinterlassen Schutthalde um Schutthalde, aus denen sich Quellwasser rauspressen und kleine und grössere Ausschwemmungen gestalten. Nicht die liebliche Art Quelle, die man sich so vorstellt, so mit Moos und Zwergen, sondern eher etwas Bedrohliches ausstrahlen. Der Talboden ist flach und nur mit kurzen Gewächsen übersät. Kühe haben im Sommer geweidet und ihre stickstoffhaltigen Ausscheidungen hier oben liegen lassen. Doch die Vegetation kann nichts mit diesem Überschuss anfangen. Der auf der Karte eingezeichnete Albulasee existiert nur als Sumpfgebiet. Die Hochspannungsleitung verleiht der Kulisse eine eigene Prägung. Beim erwähnten Sturm hatte es vier von den mächtigen Masten einfach umgeknickt! Der Weg führt meistens genug weit von der Passstrasse entfernt, so dass diese einfach als Kulissenbild dient. Dann kommen wir langsam an den Punkt, wo es wieder abwärts geht, ins Oberengadin. Die ersten Lärchen sind schon gelb, und je weiter wir hinabschreiten, desto mehr Grün kommt hinzu. In La Punt, gleich neben dem Bahnhof, ist eine kleine Bäckerei, wo wir uns nochmals belohnen und auf den Holzstühlen draussen an der Sonne geniessen. Das kleine Plüsch-Gämslein, welches uns im Regal mit treuherzigen Äuglein bezirzt hat, durfte mitkommen und ist fortan in Schöfflisdorf zu Hause.
Über Klosters fahren wir nach Landquart, wo wir im Binari traditionsgemäss unseren Vegi-Herbstteller verschlingen. Hmmmm!

Walensee: Erste Sonnenstrahlen
Morgenstimmung
Lai da Palpuogna
Lai da Palpuogna
Lai da Palpuogna
Lai da Palpuogna
Lai da Palpuogna
Am Lai da Palpuogna (Foto: Martin Heimgartner)
Albulaquelle
Albulaquelle und 2 Goldbären
Diese Masten sind 2018 geknickt!
Mini-Enzian
Das letzte Lärchelein in gelbem Kleidchen
Pass d’Alvra
Pass d’Alvra (Foto: Martin Heimgartner)
Achtbeinige Steinböcke markieren den Beginn des Trails…
Schutt & Gröll (Foto: Martin Heimgartner)
Unheimliche Quellen verursachen selbst tiefe Kerben im Schuttkegel
Da sollte der Albulasee sein. Im Rest spiegelt sich das Auto.
Kargheit in ihrer schönsten Form.
Mutiger Goldbär klettert auf einen grossen Stein!
Traumhaft
Ich kann mich nicht entscheiden, wohin ich wachsen soll! (Foto: Martin Heimgartner)
Bäckerei in La Punt. Hier adoptieren wir…
…Alvra, unser Gämsenkind.
Die Tour