
Donnerstag – Sonntag. „Man muss nur die richtigen Leute kennen!“ Wie recht sie hat! Gerlinde sagt diesen Satz als Antwort unseres Entzückens, dass wir hier oben in Ftan vier wundervolle Tage verbringen dürfen. Mit ihren nicht mal 81 Lenzen und dem Hildegard Knef-Look wirkt sie fit und munter und versüsst uns mit ihren präzisen und pointierten Sätzen den Aufenthalt noch mehr. Sie war anno dazumal 1979-85 die Griechisch- und Latein-Lehrerin von Martin und Kathrin. Martin hat den Kontakt nie abgebrochen, und Kathrin kam vor etwa einem Jahr dazu. Sie ist inzwischen Chef-Onkologin am Triemlispital und hat sich für Martins Vater Paul viel Zeit genommen im letzten Frühling. Als Eingeheirateter durfte ich schon ein paar Mal der exquisiten Gesellschaft beiwohnen und versuchte als Nichtstudierter nicht all zu ungebildet daher zu reden. Nun hat Kathrin vor ein paar Jahren ein prächtiges Ferienhaus in Ftan erstanden und lädt uns also ein, hier zu logieren. Was für ein Glück!
Die Anreise nach Ardez nehmen wir per Zug. Das Dörfchen ist ein kleines Juwel mit seinen zahlreichen Bündner Sgraffiti, diesen traditionell in den Verputz eingearbeiteten Muster & Verzierungen. Vorbei an einer Ruine eines einstigen Weilers mit Kirche, wobei nur von einem Herrschaftshaus Grundmauern übrig sind, gelangen wir via Höhenweg und durch Lärchenwälder hindurch, zu einem Bänkli an den Toren von Ftan. Hier essen wir unser mitgebrachtes Zmittag, während sich die Wolken zu einem wohlwollenden Baldachin hin etwas verdichten. Danach kommen wir durchs Dorf und finden das Haus unterhalb der Gondelbahnstation auf Anhieb. Gerlinde fuhr mit ihrem kleinen VW die Kathrin und unseren Rollkoffer bereits hierher, und alle begrüssen sich freudig. Die beiden gehen noch Einkaufen, während wir unser Zimmer beziehen. Die Aussicht ist atemberaubend, wie die Bilder beweisen! Wir werden jeden Abend von Gerlinde in ein Restaurant eingeladen. Es gibt Capuns, Pizokel und andere Leckereien. Im Restaurant Chalamandrin, was „Vergissmeinnicht“ bedeutet, schlemmen wir, was das Zeug hält. Danach trinken wir frischen Pfefferminztee, welcher sich im Garten offensichtlich wohl fühlt, trinken mal einen süssen Wein und diskutieren queerbeetein.
Am nächsten morgen lachen uns auf dem Tisch bereits frische Brötchen, Früchte und lokal hergestellte Joghurts von Kuh und Schaf an. Wir sind im Schlaraffenland gelandet! Kathrin nimmt uns mit auf eine Wanderung erst zur Alp Laret, wo wir uns bereits wieder Kaffee und etwas zur Stärkung gönnen wie Apfelstrudel und Buchweizentorte mit Johannisbeerjoghurtschaum. Viele Biker*innen und Wanderer*innen tanken hier Energie und brausen dann weiter. So auch wir, nach hinten ins Tal Richtung Alp Valmala. Im Schatten eines Steins nehmen wir selbstgemachte Sandwiches zu uns und kaufen etwas Geissenkäse. Dann machen wir uns an den sanften Abstieg auf dem Feldweg, den auch die Biker mit uns teilen, welche quietschend und mit verkrampften Händen an uns vorbeifahren. Dann biegen wir in den Höhenweg von gestern ein. Ein toter Gartenschläfer liegt auf dem Weg. Was für ein herziges Tier! Wir können es erst im Haus gemeinsam mit unseren Erinnerungen bestimmen. Dann biegen wir ab und besuchen einen kleinen, lauschigen Badesee, den die Gemeinde Ftan 15 Minuten vom Dorf entfernt erbauen liess. Das Bad ist herrlich, und schon bald sind wir wieder erfrischt.
Gerlinde war in Ardez und bestaunte ebenfalls die Sgraffiti. So haben wir uns alle etwas zu erzählen.
Heute gehts hinunter ins Restaurant Filli am Inn in Scuol. Auch hier ist das Essen hervorragend. Einzig ein Typ mit Stumpen verstinkt die ganze Terrasse.
Der Mond begleitet uns durch die Nacht bis auf unser Bett. Wir lieben das so sehr!
Am Samstag besuchen wir den Nationalpark im Val Trupchun bei S-chanf. Ein Tschutschubähndli auf Gummirädern befördert uns zur Parkhütte Varusch. Martin und ich steigen kurz vorher aus und nehmen den Wanderweg etwas oberhalb durch den Wald Richtung Alp Trupchun. Wir sehen einige Eichhörnchen, welche mit uns Verstecken spielen, und viele Tannenhäher, dem Tier auf dem Signet des Nationalparks. Zwischendurch erspähen wir Kathrin und Gerlinde, wie sie unten neben dem Fluss gehen und winken ihnen zu. Tatsächlich sehen sie uns auch und winken zurück! Sonst sehen wir keine Menschenseele. Erst als wir am Ende des Rundweges ankommen, stehen Gruppen im Schatten der Bäume und beobachten Murmeltiere oder liegen mit dem Feldstecher im Gras. Weiter oben wird die Landschaft wüst und leer. Auf der rechten Seite des Flusses, der viel Geschiebe mit sich führte, wie die Kiesbänke und vielen grossen Steine im Bachbeet verraten, gehen wir leichten Schrittes hinab. Dann erspähen wir ein Spektiv, welches auf drei Beinen steht und der Tierbeobachtung dient. Die zwei Damen darum herum stellen sich als die unsrigen heraus! Just in dem Moment äst eine Gämse am gegenüberliegenden Hang, welche Kathrin sofort ins Visier nimmt. Oh und ah, wie scharf, 3-dimensional und herzig das Tier erscheint! Zwei junge Burschen kommen vorbei, ebenfalls mit Ausrüstung und Kamera, und bleiben kurz stehen. Wir tauschen ein paar Worte aus. Sie laufen weiter, Martin und ich hasen hinterher. Sie erspähen ein Skelett einer Gämse, die wohl von einem Wolf gerissen wurde. Nur noch ein paar Fellfetzen hängen an den Knochen herum und warten auf den Bartgeier, welcher ja ganze Knochen hinunterwürgen kann.
In der Parkhütte verköstigen wir uns mit Buchweizen-Polenta und gehen zu Fuss hinab zum Ausgangspunkt, wo Gerlindes Wagen steht. Die beiden nehmen noch einmal das Tschutschubähndli. Das kleine Restorant Prasüras hat nun geöffnet, und wir bekommen etwas Zvieri. Gerlinde gondelt uns sicher wieder zurück ins Haus. Am grossen Gartentisch machen wir es uns gemütlich, während Kathrin noch einmal einkaufen geht.
Heute schlemmen wir noch einmal im Chalamandrin. Ein junger Bergfink hüpft etwas unbeholfen herum und hofft wohl auf Almosen der Gäste. Erst jetzt kommt der angekündigte Regen, der uns bereits ab 13:30 hätte ereilen sollen und doch nicht kam. Doch wir sind vorgewarnt und haben Schirme dabei! Noch ein Abstecher in die Kirche liegt kurz drin, und dann gehts wieder hoch. Der Mond scheint zwischen zwei Bergen just hindurch und verbreitet eine mystische Stimmung.
Der letzte Tag ist nun ganz verregnet. Wir putzen und packen und lassen uns nach Scuol chauffieren, wo sich unsere Wege trennen. Bye bye und allerherzlichsten Dank für alles!
Martin und ich gönnen uns im Thermalbad drei Stunden und zwei Saunaaufgüsse. In der Garderobe strahlen uns zwei Jungs an; es sind die beiden aus dem Nationalpark! Es folgt ein Zmittag in der Pizzeria und einen Kaffee mit Nusstorte im noblen Belvedere.
Nun sitzen wir im Zug zurück und lassen die Erlebnisse revue passieren… Ftantastisch!










































Lieber Michael
lieber Martin
Danke Euch für die fantastischen Fotos und spannenden Reise- und Wanderberichte!
Es macht immer wieder Freude…
ins Val Trupchun geht’s für mich vielleicht auch wieder in diesem Herbst…
Liebe Grüsse
Oliver
Strahlend haben unsere Goldbären verkündet, dass sie eine Einladung ins Engadin nach Ftan haben. Und was sie da erleben durften, ist einsame Spitze. Wundervolle Landschaftsbilder erfreuen alle. Ob am runden Tisch, im Arvenstübli oder im Tschutschubbändli , alles wunderbare Erinnerungen für die nicht die richtigen Worte zu finden sind. Originell finde ich die Aufnahme auf der Alp Vamala auf der Höhe 1979, derJahreszahl in der sich die Drei kennengelernt haben.
Lieber Michael, lieber Martin
seit Jahren lese ich mit viel Vergnügen Eure Wanderberichte – geniesse die Fotos, die humorvollen Kommentare – einfach Alles!
Dank Euch lerne ich immer wieder neue Gegenden kennen und denke oft, da möchte ich auch einmal hin.
Danke Euch vielmals Susanne
Die Foto mit dem Alpenglühn ist eindrücklich. Schade, dass die Postkarten-Verlage verschwunden sind – da wäre ein Sujet!
Wie immer geile Fotos von einer mir unbekannten Welt.
Liebe zwei BärenFreunde. Sooo schön….. geniesst jedes Bild, jeden Laut, jeden Geruch und jedes Knurren im Magen. Ich erinnere mich an eine wunderschöne Zeit, als ich in Guarda arbeiten durfte. Lasst es Euch gut gehen, mit sonnigen Grüssen, Rolf.