
Freitag. Nach 2 Jahren wagen wir uns mal wieder in den Süden. In etwas mehr als anderthalb Stunden fetzt der neue Eurocity von Zürich nach Bellinzona. Durch den Gotthard-Basistunnel mit 200 km/h.
Wir möchten zu den drei Burgen und steigen als erstes zur höchstgelegenen auf, dem „Castello di Sasso Corbaro“. Im Innenhof gibt es ein Restaurant, wo wir uns pünktlich um 12 h niederlassen, Pizzoccheri in einem schwarzen Teller bekommen und eine Crème Brûlée geniessen, die wenigstens aussen etwas warm ist. Denn mein Platz ist bereits wieder am Schatten und da ist es kalt.
Die Burgen sind mit hunderten von „M“ verziert. Soviel Beachtung unserer Namen haben wir nicht erwartet, fühlen uns aber geschmeichelt. Eine Dreiergruppe Männer mittleren Alters läuft mir direkt vor die Linse und einer davon hat dann noch den Nerv, uns zu fragen, ob wir für sie ein Selfie machen können. Wir können, natürlich…
Man sieht übrigens hier oben schön, wie alles auf festem Granit gebaut ist. Überall sind die Felsen sichtbar, mal als schöne, schmucke Strukturen in der Wiese, als Fundament der Burgen und Häuser am steilen Hang, als Treppe oder als Dekoration in den Gärten. Da rutscht der Hang wohl nicht so schnell wie andernorts, wenn es mal stärker regnet.
Wir steigen zur mittleren Burg hinab, dem „Castello di Montebello“. Auch hier kann man, ohne Eintritt zu bezahlen, die Innenhöfe und teils die Zinnen betreten und wird abermals mit tollen Burgensujets und dem weiten Blick auf die Stadt und ins Tal belohnt.
Nach intensivem Knipsen gehen wir das kleine, gewundene Weglein hinunter, erst an der Burgmauer entlang und dann direkt in die Altstadt. Im Innenhof des Municipio (Rathaus) bestaunen wir die Wandzeichnungen, die das Leben vor etwa 200 Jahren zeigen, und steigen zum „Castel Grande“ hinauf, direkt in die Gartenbeiz auf einer granitenen Terrasse mit Blick nach Süden. Der Grüntee, angebaut auf dem Monte Verità, schmeckt, wen wunderts, nach Grüntee. Die 2. Tasse mit Mango, nach Mango. Danach Espresso. Unten vor der grossen Kirche dröhnen die Sprechchöre der Klimajugend zu uns hinauf. Wir winken wie die Queen und erinnern uns an die Zeit, als wir noch selbst dabei waren. Vor zwei Jahren. Wir erkunden den riesigen Bau und staunen, wieviele Steine auch da wieder verbaut wurden. Auf der Murata schlendern wir dann Richtung Fluss, und als wir diesen erreichen, nach Süden, an der Renaturierungszone und der neuen Brücke vorbei, die im Bau ist und aussieht wie der Pont d’Avignon, über jene tolle, geschwungene untere Brücke hinüber nach Monte Carasso, wo wir im uns bereits bekannten Innenhof bei der Kirche noch einen Espresso und Apfelkuchen schmausen. Der Kinderlärm ist ohrenbetäubend, hallt er doch von den vier Wänden und verstärkt sich dadurch mehrfach. Aber der Zucker stimmt mich gnädig. Mit dem Bus gehts dann wieder zurück zum Bahnhof, wo die gewohnte Orgie stattfindet, die ich von Bellinzona so gewohnt bin: Eurocity hat Verspätung (25 Minuten!), Strecke Como – Chiasso unterbrochen, Gewerkschafts-Restaurant beim Bahnhof suchen, Restaurant hat entweder nicht das, was angeschrieben ist und heute nur ein Luxusmenu, oder Restaurant hat nur Schickimicki-klein-und-teuer-Menu, im Bahnhofbuffet Billigpizza runterdrücken, Eurocity kommt doch. Zum Glück fahren wir 1. Klasse, ganz vorne. Da hat es Platz. In der Mitte des Zuges ist wohl die ganz normale Hölle. Aber auch bei uns, ein Abteil weiter hinten, lautes, deutsches Geschrei des Schaffners, weil eine Frauengruppe keine Masken anziehen wollen. Später der zweite Schaffner, auf Italienisch, ebenso laut. Doch die Damen sind unbelehrbar und lachen nur. Die blöden Hühner.

































Ciao M&M
il ponte storto è per i pedoni?
Ein bisschen viele Castelli im Süden…
Keine Foto vom Monte Verità? (jetzt ETH Tagungsort, mit Kleider)
Sì, ma anche per biciclette, sedie a rotelle, ecc.
Ja, viele Castelli, und trotzdem gehört der Tessin heute zur Schweiz 😉
Es war nur der Tee, der vom Monte Verita kommt. Wir waren nicht dort.