Freitag. Der Jura lässt uns noch lange nicht los. Heute ist die 2. Jurakette dran, wie der längs gezogene Berg nördlich des Weissensteins heisst. Aber erst mal ist die Wolfsschlucht dran. Diese erreichen wir mit dem Postauto an der gleichnamigen Haltestelle. Der Einstieg ist von der Strasse aus praktisch nicht sichtbar, doch ich weiss, welch Wunder uns erwartet, bin ich doch schon zum 5. Mal hier. Die Berechnung mit dem Sonnenstand um 11 h wäre perfekt, doch diesmal will sie nicht, und so tauchen wir ein, in diese diffuse, mystische Welt zwischen senkrecht aufragenden Felsen, steil hinauf. Das Moos und die Farne leuchten, am Wegesrand, auf den Steinen im Bachbeet und nebenan. Erstes braunes Herbstlaub liegt auf den Weg, und für das Foto in einer der Höhlen muss ich eine Lampe benutzen. Es kreucht und fleucht gar seltenes Getier darin, wie uns die Infotafeln erklären. Sogar eine augenlose Spinne soll hier wohnen! Wir kommen oben an, wo die Felsen besonders eng zusammen stehen und es aussieht wie der Eingang zur Totenstadt im Herr der Ringe.
Wir biegen links ab und steigen weiter auf, durch einen Märchenwald mit Flechten, Moosen und Pilzen. Wo man aus dem Wald kommt, ist eine Bushaltestelle. Doch der Bus fährt nur Sonntags. Einmal hoch und einmal runter. Richtung Westen nähern wir uns der nächsten Sensation: Dem Bärenloch. Das ist eine besonders eindrückliche Höhle, weil sie grosse Löcher in der Decke aufweist. Durch eines davon wächst sogar ein Baum. Durch die grosse Öffnung sieht man nach Welschenrohr hinab und auf den Weissenstein hinauf. Auch hier war ich schon mehrmals und freue mich, dass Martin auch so grosse Freude daran hat. Sie ist zwar nur auf einem etwas gar schmalem Weglein mit etwas gar niedrigen, aus Wasserrohren zusammengeschusterten Geländern erreichbar, aber es lohnt sich allemal.
Steil hinauf im Wald des Rinderberges erreichen wir Hinter Brandberg, wo wir gemütlich eine Kürbissuppe und einen Vegiburger mit Pommes verschmausen. Das Bergrestaurant ist heute den letzten Tag geöffnet vor den Herbstferien.
Weiter gehts nach Westen auf dem windigen Grat über den Probsteberg und den Harzer, dann hinab über Malsenberg nach Gänsbrunnen. Die auf der Karte etwas langweilig wirkende Wegführung ist überraschend abwechslungsreich. Mal über befahrbare Karrwege, mal über schmale Wanderpfade, bis sich der Blick hinab zum Ziel eröffnet.
Die Kirche Sankt Joseph in Gänsbrunnen sticht uns als Erstes ins Auge, als wir auf einem Bänklein etwas oberhalb noch von unserem Kaffee und die Stimmung geniessen. Es erscheint ein gleissender Sonnenstrahl über dem auf dem Turm prangenden Kreuz. Man könnte es glatt als Zeichen deuten. Die gerade mal sechs Grabsteine stehen etwas verloren vorne an der Friedhofsmauer. Ein kaminartiges Gebilde dazwischen ist angeschrieben mit „Gemeinschaftsgrab“. Als hätte es nicht genug Platz. Etwas auffällig viele Zettel weisen auf diverse Gefahren hin: Die Türe des kubischen Anbaus, als Windfang konzipiert, muss bei Regen zu bleiben, weil es sonst hinein regnet. Wer hätte das gedacht auf der Westseite… Die Treppe zur Empore ist zu steil und soll gemieden werden: Absturzgefahr! Das Weihwasser wurde auf Empfehlung des Bistums Basel aus Sicherheitsgründen entfernt. Nicht etwa wegen den BAG-Empfehlungen. Nachdem ich das arme, gefangene Rotschwänzchen im Glaskubus gerettet habe, schauen wir uns den Weiler noch etwas an. Es gibt einen Steinbruch am Eingang zur Klus und ein Hotel. Das Tanksäulenmuseum ist seit 2011 nicht mehr hier. Zum Glück finden wir die Bushaltestelle Richtung Balsthal, die weiter oben im Rank sich befindet, weit weg von derjenigen in die Gegenrichtung.
Nach einer halben Stunde und den Abstechern in die Dorfkerne von Herbetswil, Aedermannsdorf und Matzendorf steigen wir Eingangs von Balsthal aus, spazieren durch das Villenviertel am Hügel (wir kommen uns vor wie am Zürichberg), durch das Dorf hindurch und, dreimal dürft ihr raten, zum Pintli in St. Wolfgang. Wir kriegen noch einen Platz in der gemütlichen Wirtsstube, und Yves zaubert uns einen Herbstteller vom Feinsten. Seine Mutter schliesst uns bald ins Herz, als sie merkt, dass wir nicht zum ersten Mal hier sind und ihres Sohnes Küche sehr schätzen. Wir sollen uns wie zu Hause fühlen, meint sie, als ich nach dem Essen meinen Drang, den Teller auszuschlecken, ihr kund tue. Ich tue es natürlich nicht. Aber die 14 Köstlichkeiten waren einfach himmlisch komponiert: Spätzli, Pilzsösseli, rot gefärbte (Randen?) Birne, Apfel, Rosenkohl, Fenchel, zweierlei Pfälzer Rüebli, Blumenkohl, Spinat, ein Medaillon (aus was ist uns nicht klar) mit Preiselbeerherz, Rotkraut mit Kirschen. Yves ist ein Meister seines Fachs! Natürlich teilen wir ihm das auch mit und plaudern noch etwas. Wir haben auch das Bedürfnis, ihm mitzuteilen, dass wir uns mit dem 3G-Zertifikat ziemlich wohl und sicher fühlen. Viele Wirte haben ja Mühe damit und meinen, dass ihnen die Kunden davonlaufen. Doch weit über 60% erfüllen 3G und gehen nun hoffentlich wieder in die Restaurants. Wir wünschen es ihm sehr!


























Ihr zwoi machet das super es isch richtig spannend zverfolge die Region voner vorstellet me isch mittendrin mit euch
Mega guti Idrück vor Ort liebe Grüsse
Danke für die schon herbstlich aussehenden Fotos. Farblich wunderbar und erstaunlich wiederum die Landschaft.
Ihr zwei M&M seid nun zu Naturforschern mutiert und kleine, einheimische «Ibn Battut» geworden. – Gratuliere.