Heute ist es soweit: Der letzte Bio-Skyr ist auf dem Tisch. Wir mischen diesen gerne mit Jogurt und einem kleingewürfelten Apfel unters Müesli. Hier auf dem Land bekommt man ihn nicht, und wer weiss, wann wir das nächste Mal in die Stadt fahren.

Es wird wieder schön am Nachmittag, doch eine giftige Bise weht durchs Wehntal. Wir machen trotzdem eine Runde ums Dorf, den Kopf etwas auslüften. Das tut gut. Weil wir unsere Handschuhe gewaschen haben und diese gerade am Trocknen sind, nehmen wir die Gärtnerhandschuhe mit, die wir noch kauften, als wir zum letzten Mal im Coop Baucenter waren.

Telefonate mit und ohne Bild begleiten uns während des ganzen Tages, ebenso Mails und Kurznachrichten. Man tauscht sich aus, hört sich die z.T. schwierigen Situationen an, plaudert, und ja, auch mal lachen kann man zwischendurch.

Dann nehme ich mir endlich mal Zeit, mein portables Studio aufzubauen und Flöte zu spielen. Das tut sehr gut, unter dem Kopfhörer mal wieder richtig laut Musik zu bespielen. Ich fand die ganze Woche über keine Musse dafür. Doch im lichtdurchfluteten Sternenzimmer, mit Blick auf den Sonnenuntergang, ist es traumhaft. Martin hat mir noch die 1. Stimme von ABBA’s „Thank You For The Music“ ausgedruckt, und wir spielen es zusammen. Mit Flöte und Klavier ist es ganz schön chic.

Nun bin ich also schon eine ganze Woche hier im Exil. Ich habe das Gefühl, es sei wahnsinnig viel passiert. Jeden Tag die Nachrichten und verschärften Verhaltensregeln. Die Ungewissheit, ob wir morgen noch nach draussen gehen dürfen oder nicht. Irgendwie scheint die Zeit extrem zäh zu fliessen. Der letzte Sonntag scheint ewig weit weg zu sein. Die relative Zeitwahrnehmung in Abhängigkeit der Ereignisdichte ist mir sehr bewusst.