Kilometer null des Schweizer Eisenbahnnetzes

Donnerstag. Früh am morgen ist die 6. und damit letzte Desensibilisierungsspritze gesetzt, die 5. und letzte Stosswellentherapie am Tennisarm überstanden. Dann gehts ab nach Zürich zum Zahnarzt, um eine kleine Composit-Füllung zu reparieren. Zum Glück ohne Anästhesie. Heisst, ich kann sofort wieder essen und trinken. High-Tech-Magie nenne ich diese mit UV-Licht gehärtete Masse, die in Minuten aufgebaut ist und danach jahrelang als Zahnschmelzersatz dient. Martin kommt nach und wir treffen uns am Kilometer null des Schweizerischen Eisenbahnnetzes. Dieser wird markiert als eine goldene Säule, welche am Kopf der ehemaligen, für sieben Gleise Platz bietenden, Bahnhofhalle thront.
Wir schlendern durchs Niederdorf, welches eine einzige, grosse Baustelle ist. Überall sind Warnschilder aufgestellt, dass hier Gasleitungen verlegt werden und man nicht rauchen soll. Jeder Laden und jedes Restaurant wird mit einer kleinen Aluminiumbrücke über dem Graben mit dem Rest des begehbaren Kopfsteinpflasters verbunden. Wir queren die Limmat und machen es uns auf dem Fraumünsterplatz bequem. Das Presse-Kaffee darf offenbar seit Corona bis weit auf den Platz hinaus stuhlen. Heisse Schokolade (!) für mich, Kaffee für Martin. Der Schatten des Kirchturms kommt rasend schnell auf uns zu und wir dislozieren an einen sonnigeren Platz. So entgehen wir auch ein bisschen einem stinkenden Stumpen, den unser Sitznachbar unnötigerweise angezündet hat und damit den ganzen Platz verpestet. Denn das Windchen ist doch nicht so schön von vorne, dass es nur Frischluft zu uns weht. Es ist elf Uhr und alle Glocken aller Türme bimmeln gleichzeitig. Die Stadt Zürich hat dafür gesorgt, dass sich dies jedoch in gemässigter Lautstärke abspielt. Es ist schon fast schön, etwas mystisch und erinnert an die Melodien von Herr der Ringe. Man möchte beinahe mitsingen.
Am rechten Ufer schlendern wir entlang, kommen zur Badi Utoquai, die erst in 5 Wochen öffnet, gehen weiter und essen auf einem sonnigen, aber lehnenlosen Bänkli Zmittag. Ein Handy auf einem kleinen Stativ filmt einen Vlogger, der ein paar sportliche Aufwärmübungen vollführt. Ein Kaputzenpullimann neben uns fotografiert ihn. Dahinter kommen später Mövenschwärme, die offenbar gefüttert werden.
Wir bewegen uns langsam Richtung Botanischer Garten, überqueren eine der ersten Veloautobahnen der Stadt und gelangen in den Terziärgarten, wo wir unseren Bekannten, Gärtner Daniel, treffen und ein paar Worte wechseln. In der kleinen Mensa gibt es unglaublich guten Schokoladenkuchen und Wähe, welche wir an der Sonne geniessen. Auf der anschliessenden Runde schauen wir uns an, was so aktuelles passiert, spriesst, um- und neu gebaut ist. Der Medizingarten erzählt Interessantes über Homöopathie, Tibetische Medizin, Ayurveda, Bachblüten und allerlei unbekannten Heilsystemen und den dazugehörenden Pflanzen. Die gelb und rot blühenden Hamamelisbüsche werden uns von einer Gärnterin noch näher erklärt. In den drei Kuppeln bestaunen wir allerlei Exotisches und wundern uns, wo meine Königin der Nacht hingekommen ist. Manfred ist nicht zu sehen, welchen wir fragen könnten. So gehen wir nochmals in die Mensa und teilen uns je noch einen Sockoladenkuchen und eine Spinatwähe, was die Verkäuferin sehr freut, bevor wir wieder Richtung nach hause fahren. Am Stadelhofen bestaunen wir noch kurz den neuen Calatrava-Bau, dessen gleichnamiger Schöpfer ja auch schon den Bahnhof gebaut hat.

Am See
Schon als Kind hüpften wir hier herum
Die 3 Kuppeln des Botanischen Gartens Zürich
Kuppeln und Hamamelis
Hamamelis oder Chinesische Zaubernuss
Mensaglück
Calatrava-Neubau „Haus zum Falken“ am Stadelhofen