Es ist kaum zu sehen, das Bollwerklein (Foto: Martin Heimgartner)

Montag. Ein schöner Tag ist prognostiziert. Martin erzählt schon lange, dass wir mal zu Fuss vom Freiburgischen ins Waadtland laufen könnten. Von Château d’Œx via Montbovon fahren wir mit dem Zug nach Gruyères, wo wir im Maison de Gruyères ein Sandwich und Kaffee im kleinen Park zu uns nehmen, um die lange Umsteigezeit zu überbrücken, bis der Bus uns Richtung Jaunpass mitnimmt und wir an der Station Praz-Jean aussteigen. Gegen Süden gehts nun, zuerst flach und sehr grün, bis das Alpsträsschen plötzlich steil ansteigt. Auf der Tafel stehts: 7 km, 16%. Trotz Anhängerverbot überholt uns ein zweiteiliger Viehtransporter und bringt Simmentaler-Kühe auf ihre Weiden. Es heisst, wenn sie selbst laufen müssten gäbs zwei Tage saure Milch. Dann lieber ein paar Liter Diesel verbraten. Kurz bevor die 7 km hinter uns liegen, zeigt sich neben der Strasse noch ein schöner Wasserfall. Knips.
Oben wird es dann tatsächlich topfeben. Es ist eine riesige Sumpflandschaft, die sich nach dem etwas zu gross dimensionierten Parkplatz auftut. Und darauf grasen – Kühe. Fertig Magerwiese und Biodiversität. Diese kann sich mit den Rändern begnügen. Auf dem höchsten Punkt der Wanderung suchen wir Schutz unter einem Ensemble von Tanne und Bergulme vor der gleissenden Sonne. Spaghetti, hmmm! Kurzer Rast und Einkehr. Linkerhand, auf einem bewachsenen Hügel, steht klein und trotzig eine winzige Kapelle, als wäre sie das letzte katholische Bollwerk gegen den Waadtländer-Protestantismus, wie Martin meint. Nach 10 Minuten kommen wir an eine Alpbeiz, wo wir Kaffee (leider Nescafé, wie sich beim Zahlen herausstellte) und ein Flarzkuchen, bestehend aus Blätterteig mit Apfeldicksaft darauf.
Von nun an gehts nur noch bergab. Es ist heiss, und das letzte Drittel gehen wir auf der Alpstrasse. Wir steuern auf den Bahnhof Les Combes zu, weil der Wanderweg bei Flendruz gesperrt ist. So warten wir in dem winzigen Häuschen etwa 20 Minuten, bis der Zug kommt. Natürlich muss man auch hier den Knopf finden, damit er auch hält. In Château d’Œx gehen wir zum Hof du Berceau, weil die so feine selbstgemachte Glacé haben und toben uns noch etwas in der Badi auf dem Topogan aus, nachdem wir uns mit einem Doppio aufgedopt haben.

La Maison de Gruyères
Erst ist es flach und grün
Die Holzbeigen sind schöner als unser Gartenhäuschen (Foto: Martin Heimgartner)
Tannenkannibalismus
Wege des Wassers und des Menschen (Foto: Martin Heimgartner)
Ich bin auch ein Urtier (Foto: Martin Heimgartner)
Man sieht die 16% kaum… (Foto: Martin Heimgartner)
Ausladung des Kuh-Shuttles
Kurz vor Erreichen der Alp
Flach und gross, feucht und überdüngt (Foto: Martin Heimgartner)
Eine Alp an der anderen (Foto: Martin Heimgartner)
Hier ist die Flora stark eingeschränkt (Foto: Martin Heimgartner)
Bröckelstein an der Kantonsgrenze (Foto: Martin Heimgartner)
Nein, das ist kein Hut! (Foto: Martin Heimgartner)
Imposante Felsen (Foto: Martin Heimgartner)
Grasweg (Foto: Martin Heimgartner)
Wenn schon traditionell, dann richtig, mit Schindeldach. (Foto: Martin Heimgartner)
Der Bucher steht im Bûcher
Die Tour.