
Freitag. Ferien! Wir sind wieder im Chalet. Es hat den Winter gut überstanden, worüber wir sehr froh sind. Die Mönchsgrasmücke vollführt ihr Gesangstraining direkt vor unserer Nase auf dem jungen Kirschbaum, während wir leise Mendelssons Klaviertrio bei Früchte-Müesli, Tee & Kaffee hören. Nach drei Minuten (ESC-Normlänge!) fliegt sie zur Lärche nach rechts, trällert wieder drei Minuten und wechselt dann in die Tannengruppe links vor uns. Dies wiederholt sie, bis wir gehen. Um 10:22 h fährt der Bus nach Château d’Œx, von wo uns der Golden Pass, heute in der Formation „Belle Epoque“, nach Saanen gondelt, wo wir uns ins bis auf drei Sitze platschvolle Elektro-Postauto quetschen und an der Haltestelle Les Adannes rausflutschen. Heute wollen wir die Südflanke des Gebirges nördlich des Tals der Saane erkunden. Nach Westen steigen wir 300 m auf. Es ist heiss, skurrile Wolkenformationen dekorieren den Himmel. Es gibt reihenweise welche, die unten wie auslaufen, was wir uns mit einem Eisfall erklären, der sich dann wieder auflöst. Col de la Forcla ist mit bescheidenen 1660 müM der höchste Punkt auf unserer Wanderung. Danach öffnet sich der Blick auf unsere vertraute Bergkette, bestehend aus Le Rubli, Rocher Plat, Gummfluh & Rocher du Midi, während wir sanft die geteerte Alpstrasse hinuntertrippeln. Dank unseren weich gummierten Trekkingschuhen ist das eine sehr angenehme Angelegenheit.
Und dann sticht uns ein Bio-Label ins Auge, das schön drapiert an der Scheunentüre eines Gehöfs angebracht ist. Wie eine Nadel im Heuhaufen finden wir den weit und breit einzigen Hof, der unser Herz etwas höher schlagen und wieder etwas an die Zukunft glauben lässt: Der Muhof. Ein kleiner Hofladen steht am Wegesrand, bestehend aus einem Kühlschrank mit Dach. Darin Köstlichkeiten wie Glacé und Alpkäse. Auf kleinen, krummen Naturholzbänken essen wir unser mitgebrachtes Zmittag und gönnen uns zum Dessert Eis mit roten Zwetschgen. Dann kommen zwei junge Leute aus dem Gebäude. Wir winken uns zu und ergreifen die Gelegenheit, gehen auf sie zu und kommen ins Gespräch. Es sind Linus & Nicole, die diesen Sommer hier oben sennen und in 14 Stunden-Tagen beim Zäunen, Melken und Käsemachen ihr Leben verbringen. Es ist ein schöner Moment, denn unsere Wertschätzung für ihre Arbeit nehmen sie dankbar auf, und wir freuen uns, dass es junge Leute gibt, die den Bio-Gedanken tagtäglich in die Realität umsetzen.
Belebt gehen wir weiter, halten nochmal kurz bei den zahmen Simmentaler Kühen und überbringen ihnen die Grüsse von Linus. Das alles tröstet uns über den Heuwagenraser hinweg, der ungehobelt schnell und knapp an uns vorbei ins Tal donnert. Es herrscht beinahe Panik, denn alle wollen ihr Heu ins Trockene bringen, da es morgen schon wieder regnet. Das letzte Stück ist wieder Wanderweg, und im Schatten erreichen wir das winzige Dorf Flendruz, wo wir in den Zug steigen, den man per Knopf zum Anhalten auffordern muss.
In Château d’Œx gehen wir schnurstracks in die Badi, nicht aber ohne vorher noch einen Doppio im kleinen Resti zu schlürfen. Danach laufen wir der Saane entlang Richtung Les Moulins. Wir läuten bei Daniel, der sich jedesmal freut, wenn wir ein paar aufmunternde Worte mit ihm wechseln. Er wohnt in einem traditionellen Bauernhaus, riesig, mit üppigem, diversem Garten, Obstbäumen und Fluss-Anstoss. Wir erzählen von unserem Biohof-Erlebnis, und er bedankt sich fürs Teilen der Geschichte. Schönes vermehren. Er braucht es, wie wir wissen. Danach unser Einkauf im Hofladen Potag’Œx. Yaëlle freut sich, uns wieder zu sehen, und wir natürlich auch. Sie trägt das 2. Kind in sich, die Biofarm wächst über sich hinaus. Gut so! Mit dem letzten Bus werden wir nach La Lécherette gehievt und geniessen den schönen Abend im Chalet bei prächtigem Alpenglühn.



















Wunderschöne Bilder, die uns so richtig auf die Ferien in dieser schönen Parklandschaft freuen lassen.
Schön hab ihr wieder Ferien und wir somit was zu lesen – vielen Dank dafür 🙏
Danke für das Lebenszeichen und die schönen Fotos im Blog. Tolle Landschaft und reiche Wolkenformen. Ich lerne immer dazu und trotzdem ich im Militär an einigen Orten vorbeigekommen bin, habe ich fast nichts in Erinnerung. Sogenannte Militär-Blockade… oder was?
Ich denke im antiken Bahnwagen ist Euch sicher auch «murder on the Orient Express» eingefallen von Agathe Christi – ich denke Hercule Poirot hat, getarnt als Kontrolleur, über euch gewacht… xlol
Die Alp von Linus und Nicole sind eine »Aussenstation« des Muhofs in Gstaad, den wir bei der nächstbesten Gelegenheit unbedingt auch besuchen möchten. Wir freuen uns schon sehr, denn die Homepage sieht vielversprechend aus!