
Samstag. Das Volk ist in den Bergen im Schneezirkus, deswegen bewegen wir uns antizyklisch und fahren mit Urs und Franziska über Biel nach Ligerz am Bielersee. Die Fahrt ist mystisch, das Licht bricht sich in den Nebelschwaden. Mit dem Standseilbähnchen fahren wir rauf nach Prêles. An der Ausweichstelle ist nur noch ein Gleis. So, mit nur einer Kabine, kann die Bahn mit nur einer Person betrieben werden. Leider wird uns das Panorama noch durch Nebel verwehrt. Eine kleine Einkehr im holzgeheizten Bistro bereitet uns auf die lockere Wanderung Richtung Westen vor. Wir finden den siebeneckigen Brunnen, den Martin einst entdeckte, nachdem dieser in einem Roman, den er für die Autorin korrekturgelesen hat, vorgekommen ist. Gemäss der Legende hätten hier an dieser Quelle Leute gehaust, die der Pestwelle um 1764 entkommen waren. Kein Schild führt hierher, nur ein Dreckweglein, welches nicht mal in der Landeskarte verzeichnet ist, muss man finden. Immerhin gibt es einen Namen: Fontaine de Velou. Es geht weiter, und wir erreichen den imposanten Wasserfall am Combe du Pilouvi. Foto- und Videohalt. Das Licht ist perfekt, die Sonne strahlt in die kleine Schlucht und lässt die herabstürzende Gischt erstrahlen. Nach einem kleinen Sandwich-Schmaus steigen wir dem Bächlein entlang hinab. Immer wieder stürzt sich das kleine Nass todesmutig über Felsklippen in die Tiefe und bläht sich schon fast grössenwahnsinnig auf, als wollte es sich wie die Niagarafälle fühlen.
In La Neuveville finden wir die türkische Pzzeria und werden herzlich begrüsst. Unsere Pizza ist derart mastig, das Tomatenpüree mit Glutamat gesättigt und der Halloumi-artige Käse derart fett, dass ich nach der Hälfte beinahe zusammenbreche und mir schlecht wird. Langsam schlendern wir zum und am See, geniessen die Horizontalsonne, beobachten die Panda-Enten und lauschen ihren exotischen Rufen. Bald kommen wir zum lauschigen Ministädtchen Le Landeron. Unzählige schmale Häuser mit je verschiedenfarbigen Fensterläden bilden ein Oval, welches gleichzeitig die Stadtmauern bildet. Manche sind hübsch erhalten, andere zerfallen beinahe. Bei etlichen ist im Giebel eine Umlenkrolle montiert, um schwere Möbel in die oberen Stockwerke zu hieven, ganz ähnlich wie in Amsterdam. Der Verkehr darf in der 20er-Zone zirkulieren. Auf den zwei Brunnen am Anfang und Ende des Platzes protzen grosse Kriegerstatuen in Form von opulent dekorierten Rittern und ihren Rüstungen. Ihre Schamkapseln sind beschämend überdimensioniert. Von hier sieht man auch wieder bis auf den Antennenturm auf dem Chasseral, welcher schneebedeckt unverhofft am Horizont auftaucht.
Auf der Rückfahrt dem See entlang ist die ganze Szenerie in türkis-rosa getaucht, und die Berner Alpen sind klar und nah zu sehen. Was für ein Schauspiel!
























Wenn man diese Bergflanke sieht, würde man nie solche wunderschöne Wasserfälle vermuten. Da ist man tatsächlich auf Geheimtips angewiesen. Ich glaube aber, dass beim Bild „So harmlos endet das Bächlein“ das Bächlein sich auch von einer anderen Seite zeigen konnte. Sind doch auf beiden Seiten rechte Mauern errichtet worden, um vor Überschwemmungen zu schützen.
Gestaunt habe ich über den Schnabel der Pandaente. So ausgerüstet kann sie auch zähe Speisen zu sich nehmen. Gefallen hat mir auch, einer der sieben Zwerge mit roter Mütze am Feensee. Richtig Märchen!
Wunderbare Landschaftsaufnahmen mit Alpenpanorama! Am Schluss möchte man in Le Landeron, wenn es jetzt warm wäre, bei diesen malerischen Häusern im Freien einen Kaffee trinken. Geschwindigkeit 20 km ! Da sind die Welschen weiter als wir.
In Ligerz, entlang des See’s, hat die Familie des exKreditanstalt Direktor† ein Strandhäuschen. Wunderbarer Ort mit Aussicht auf die Halbinsel. Einige Male dort gebadet.
Ich staune, wieviele Bergbähnchen es in der ganzen Schweiz hat…
…und ein grosser Dank an unsere Nachbarin Bernadette, die uns auf diese wunderbaren unbekannten Wasserfälle in ihrer Heimat aufmerksam gemacht hat!