
Donnerstag. Mit minus drei Grad fängt der Tag an, und nach ein paar Morgennebeltagen lacht uns die Sonne um halb acht bereits ins Gesicht. Ins Urserental zieht es uns heute. Über die grösste Stadt der Schweiz mit Halt bei Eli im Hiltl Pöstli reisen wir im IC 2 nach Arth Goldau, mit dem goldenen Südostbahnzug die Gotthard-Nordrampe hinauf, dreimal am Kirchlein von Wassen vorbei durch die Kehrtunnels, mittels der Zahnradbahn von Göschenen via Schöllenenschlucht und Teufelsbrücke nach Andermatt und weiter nach Realp, etwas weiter als unser Mittagsziel, dem kleinsten Dorf der Schweiz: Zumdorf.
Aber der Reihe nach rückwärts: Von Realp gehen wir dem Winterwanderweg entlang der Furkareuss, meist auf Schnee, aber nicht immer. Die Südhänge sind praktisch schneefrei, und die Sonne lacht uns auch hier vom wolkenlosen Himmel herab, ganz anders als die Prognose weissagte: Den ganzen Tag bewölkt. Von wegen! Schicht um Schicht entledigen wir uns der Kleider und passen uns dem Klima an, bis wir dann im T-Shirt auf der Terrasse im Restaurant „Zum Dörfli“ Rösti Tessinerart geniessen. Eigentlich hat es geschlossen, doch am Telefon am Vorabend meint Herr Schmid, einer der drei einzigen Einwohner, dass sie eine 34-er Gesellschaft hätten und wir sicher was bekommen werden. Ena, eine australische Hirtenhündin in beige, kommt mit ihrem langlaufenden Herrchen an den Nachbartisch und wird frenetisch wegen ihrem herzigen Gesichtchen von einer fernöstlich anmutenden Dame in astreinem Berndeutsch gerühmt, immer und immer wieder, bis es allen ein wenig peinlich wird.
Weiter gehen wir über Hospental nach Andermatt, stets die Berge ringsum im Blick, welche die Hochebene überragen. Wir haben die Bäckerei Baumann anvisiert, welche uns Siri, unser Sprachassistent, auf Anfrage empfiehlt. An der Seilbahnstation Gemsstock gehts vorbei an schier unzähligen Restaurants mit so pfiffigen Namen wie Adler, Rössli, Sonne, Ochsen, Tell, Schweizer Hof und Zum schwarzen Bären, obwohl das Wirtshausschild einen goldenen Bären zeigt, ehrlich, ich schwör! Dann kämpfen wir uns noch durch die Fasnacht mit Piipaapoo und Tätärätää, Konfetti, lustig verkleideten Kindern und noch lustiger verkleideten Eltern (ein Mami war sogar eine Giraffe!), und das alles auf ziemlich glitschigem Glatteis, welches dank Konfetti aber erstaunlich gangbar ist. Erst dann sind wir in der Bäckerei angelangt und bekommen Berliner (2 für 3!), Apfelstrudel und Kaffee. Wir erkunden nochmal die unglaubliche neue, gigantische Bahnhofunterführung, mit breiten, roten Tartanrampen (damit man mit den Skischuhen nicht ausrutscht), horizontalem Förderband (welches wegen Stromsparmassnahmen nicht läuft) und Gleis 0, einem riesigen Wintersportladen. Samih Sawiris hat seine Spuren hinterlassen.
Wir fahren über den Oberalppass, wo der Zug 20 Minuten stecken bleibt. Die zwei Troubleshooter-Techniker sind hinter uns im Abteil, um den defekten Zug zu reparieren, welcher in Tschamut-Selva mit einer eingeschlagenen Frontscheibe und irgend einem Defekt an einer Kupplung gestrandet ist. Die Verspätung bringt uns einen Getränkegutschein ein und beschert uns ein Essen in Disentis, welches wir jedoch selbst berappen. Die Bedienung ist äusserst effizient, nett und adrett.
Dann wird es Nacht und wir fahren via Chur zurück. Die 79 Meter hinauf und 181 Meter hinab haben uns ganz schön geschlaucht, was uns doch etwas wundert.

























Die Anmerkung von Martin gibt zu denken! 1’400’000.- CHF für 46 Quadratmeter! Unglaublich! Wird da Geld gewaschen?
Wieder ein Super- Bericht. Diese herrliche Landschaft! Mit dem Mittagessen in Zumdorf habt ihr es natürlich gut gemacht. Wir haben gedacht, dass ihr auf dem Nätschen essen möchtet und es euch vielleicht geht wie uns als wir das letzte Mal dort waren: Alles reserviert in beiden Restaurants. Wir waren gefrustet.
Der Bahnhof ist ja jetzt sogar für uns begehbar! – Die Windenergie auf dem Gütsch stört nun wirklich nicht.
Vielen Dank für das Kärtchen lieber Michael, mich freut es, aber du musst dir nicht zusätzlich Arbeit machen.
Das Wirtschaftsschild “ Zum Schwarzen Bären“ schiesst den Vogel wirklich ab!!!
»Für jedes Budget…«: Die Zwei- und Dreizimmerwohnungen für ab CHF 975’000.— scheinen ein Schnäppchen zu sein, nachdem mir eine Dame im Restaurant in Zumdorf erzählt hat, in Andermatt würden durchaus Wohnungen mit 46 Quadratmetern für CHF 1’400’000.— verkauft… Also: Bei Lidl sparen und dann im Pazola zugreifen…