Martinsloch auf der Bischofalp

Donnerstag. Sonne! Schnee! Yeeeeeh!
Anfangen tut der Tag schon mit einer tieforangen Sonne im Osten, dem zerquetschten, abnehmenden Mond im Westen und der zunehmenden Beteigeuze im Süden, wie wir den Flugradar auf der Lägern bezeichnen. Ein Dreigestirn der seltenen Klasse, und wenn man sie verbindet, gibt es ein Dreieck!
Wir fahren nach Elm, hinauf mit dem Gondeli zum Ämpächli. Schon durch die zerkratzten Scheiben lacht uns das Martinsloch an, und so bleibt es auch für den Rest des Tages. Auf einem komfortabel präparierten Winterwanderweg gelangen wir zum Restaurant Bischofalp am Rande des Skigebietes. Es gibt hier fast nur alte Herren, und so fallen wir wenigstens mal nicht auf. Das Servicepersonal ist derart schnell, dass wir an Einsteins Relativitätslehre zweifeln: Es scheint, als wäre der Tee, die Suppen und das Menü schon aufgetischt, bevor wir bestellt haben! Rekordverdächtig…
Es ist ein Bilderbuch, in dem wir uns wähnen, fernab von all dem Elend der Welt. Und auch ich vergesse fast die Schmerzen im Rücken, der Schulter, dem Nacken und der Hand. Der Wirt kommt noch persönlich an jeden Tisch und wir tauschen einige Worte aus: Wir erzählen von unserer Wanderung über das Wildmadsfurgeli, den Alpensalamandern, und er schwärmt von Obererbs, welches er uns wärmstens empfiehlt. Natürlich, um wieder bei ihm zu dinieren.
Im Hängstboden, dem winterverlassenen Weiler, entdecken wir ein lauschiges Bänklein und dösen, mit Blick auf den Suworowweg, vor uns hin und verdauen.
Zurück im Ämpächli gibts noch ein Teeli, bevor wir uns je einen Schlitten schnappen und mitten im Jugendtrubel hinuntersausen. Die Verhältnisse sind super, kein Eis, nur ein paar Bodenwellen, die einem die Pastas ein wenig herumschütteln. Die Scharen von Kids sind sichtbar begeistert und fahren den ganzen Nachmittag unermüdlich rauf und runter.

Im Talboden laufen wir in Flussrichtung Nord und kommen am Hotel vorbei, welches in der Serie „Wilder“ als Schauplatz diente. Den toten Fuchs auf dem Trottoir sehen wir darob gar nicht, was die Frau, die den Fund soeben dem Wildhüter meldet, wohl kaum versteht. In einem Hoflädeli kaufen wir Bio-Alpkäse. Die berühmte Kirche von Elm, welche zweimal pro Jahr von der Sonne, die durchs Martinsloch blendet, beschienen wird, nehmen wir ins Visier. Daneben gibt es eine kleine Bäckerei, welche leckere Mandelbretzel und Vanillerosen in der Auslage feil hält. Sogar Espresso bekommen wir, und wortreich werden wir nett bedient. Draussen auf dem sonnigen Bänkli geniessen wir die Köstlichkeiten, während ein rolliges Büsi Schmuseeinheiten kassieren kommt.

Auf dem Winterwanderweg wandern wir weiter Richtung Matt. Eine faule, weiss-ginger-farbene Waldkatze blinzelt und miaut uns von einem Fensterbrett aus an, macht aber keine Anstalten, ihre Füsse durch den kalten Schnee zu pflügen um zu uns zu gelangen. Der Pfad ist mal eisig, mal aper, mal schneebedeckt, auch mal nass und holprig. Eine kleine Herausforderung für Körper und Geist. Minutengenau sind wir an der Haltestelle bei der Talstation der Seilbahn nach Weissenberge. Die kleinen Menschen, welche den Bus füllen, steigen ein paar Haltestellen weiter aus. In Schwanden nehmen wir wieder den Zug bis Enenda, weil wir noch etwas früh dran sind, schlendern noch etwas im Dorf herum, vorbei an einer Klimbimerei (ein Haus, umgeben von glitzerndem Plunder), suchen erfolglos das Büsi, das auch ein Drache sein möchte, vorbei an Franziskas Mutter Luzia, aber kein Kuchen empfängt uns auf dem Fensterbrett, und gelangen auf kleinem Umweg schliesslich im Schützenhaus an. Ein grau gestreiftes Büsi löst sich scheinbar von einer ebenfalls grauen Mauer, trippelt auf uns zu und schmust um die Wette mit unseren Händen und Schuhen. Der Frühling kann nicht weit sein… Immer noch eine Viertelstunde zu früh, winken uns Markus, Stefan und Andy herein. Wir plaudern noch etwas und tauschen uns aus, bevor wir wie gewohnt fürstlich bedient werden: Tee, Peperoni-Kürbis-Süppchen-Gruss aus der Küche, warmes Zwiebelbrötchen mit Butter, Schnittsalat mit Kernen, je eine Rösti, eine mit feinem Gemüsebouquet, eine mit Brie und Birnenkompott. Völlig überfuttert wälzen wir uns zum Bahnhof und machen es uns in der Teppichetage bequem. Man gönnt sich ja sonst nichts…

Sonnenaufgang aus der Küche
Mondniedergang aus dem Schlafzimmer
Beteigeuze vom Bahnhof aus
Das Martinsloch
Hängstboden (Bild: Martin Heimgartner)
Bischofalp
Hängstboden von oben (Bild: Martin Heimgartner)
Chillen im Hängstboden. Hinten:…
…als die Russen kamen: Suworowweg (Bild: Martin Heimgartner)
Immer noch im Hängstboden (Bild: Martin Heimgartner)
Schlitteln macht jung und Spass!
Das aus „Wilder“ bekannte Hotel in Elm. Der tote Fuchs ist rechts unten im Bild (Bild: Martin Heimgartner)
Martinsloch und Kirche Elm
Simulation der Sonnenbescheinung
Kaffee- und Patisserie-Schmaus vor der Bäckerei in Elm
Gufelstock, Weissenberge (Bild: Martin Heimgartner)
Blick zurück aus der Talebene: Vorab & Piz Grisch (Bild: Martin Heimgartner)
Kunst die aus dem Boden kommt…