
Donnerstag. Bevor die Winterferien beginnen, müssen wir nochmals raus in den Schnee. Und wir werden es nicht bereuen!
Im Hiltl Sihlpost treffen wir endlich wieder einmal Elinor an, und sie nimmt sich ein paar Minuten Zeit, um uns up to daten. Sie bekommt nun noch mehr Kompetenzen und leistet Beachtliches, wie wir erfahren.
Bis Braunwaldbahn können wir sitzen bleiben. Der Wagen ist praktisch leer. Zwei ältere Quasselstrippen kippen Bier in sich hinein und plappern ununterbrochen. Wir lesen. Kaum in der Kabine der Standseilbahn, schliesst sie die Türen und fährt ab, bevor die Fahrplanzeit erreicht ist. 3/4 der Passagiere bleiben draussen und wir rauschen in der halbleeren Kabine bergwärts. Es scheint ein Zwischenkurs zu sein.
Oben angekommen machen wir uns sofort auf den Weg zum Grotzenbüel. Unterwegs knabbern wir feine Quadrati mit Brie und Feigen und bestaunen das Panorama im etwas diesigen Licht, welches uns dadurch aber mehr Details zeigt. Das Gemüseschnitzel mit Pommes ist etwas banal, aber ok. Ein junger Mann, blond gekraust und mit keckem, mittellangem Bart, strahlt uns grüssend an und greift dann zur Motorsäge, wie wir später beim Weitermarsch entzückt feststellen. Der Winterwander-Rundweg ist bestens ausgebaut. Jedes Jahr etwas mehr. Nach einem weiteren Aufstieg nehmen wir auf zwei Designer-Lounge-Stühlen, welche auf der Terrasse des Ortstockhauses stehen, Platz und schlürfen Pfefferminztee. Die weissen Schokoladenplätzchen mit dem Bild der Hütte drauf sind, uns stockt der Atem, vom Läderach. Verächtlich schlingen wir sie runter. Weiter gehts via Ober Stafel zum Gumen hinauf, wo wir zur Abwechslung wieder Kaffee und Zwetschgenkuchen bekommen. Kaum an der sonnigen Wand eingekuschelt, fängts an zu stürmen, die Stühle fegen herum und es scheint zu schneien. Jedenfalls sind wir innert Sekunden weiss und der Kaffee kalt. Die Überraschung kam wohl vom Dach. Die überaus netten Wirtsleute fangen an, alles zusammen zu räumen. Sie erwarten noch Schnee in der Nacht, und ja, der Sturm habe sich angekündigt.
Wir verlassen die strube Zone und traversieren auf dem fest getrampelten Schneeschuhpfad, welcher im Sommer etwas einfacher zu bewältigen ist. So kommen wir zur Kristallhöhle, welche wir als tristen Tunnel zwecks Lawinen- und Steinschlag-Schutz her kennen. Der Eingang ist nicht gerade einladend. Eine Frau mit Schneeschuhen überholt uns und meint, sie sei jetzt schon etwas enttäuscht. Der Tunnel macht jedoch eine Biegung, und dahinter erwartet uns ein funkelndes Labyrinth von kristallklaren Stalaktiten und -miten aus Eis. Ein paar Lampen tun ihren Zweck und ich fummle an meiner Kamera herum, um doch noch ein paar brauchbare Bilder zu schiessen, ohne auf dem blanken Eis am Boden und den gefährlichen Zapfen von oben und unten auszurutschen oder anzustossen. Und tropfen tuts auch noch von der Decke. Doch wir schaffen es und erreichen kurze Zeit später das Bergrestaurant Seblengrat, wo wir uns bei Kräutertee beruhigen. Auch hier gibts diese blöden Läderach-Schöggeli, diesmal mit dem Bild von der hiesigen Hütte. Auch wenn der Schriftzug fehlt, so ist die Machart und Verpackung unverkennbar. Auf dem Seblengrat entlang erinnern wir uns an die letzten Begehungen hier und bestaunen den Bösbächistock und den gefrorenen Oberblegisee, in dem wir doch erst noch darin gebadet haben.
Auf teils eisigen Passagen gehen wir im Zickzack hinab wieder Richtung Grotzenbüel. Eine Skipiste mündet in unseren Weg, als von hinten ein Mann im Stemmbogen auf unsere Geschwindigkeit abbremst und uns etwas erschreckt. Was will der denn? In seltsam dumpf nuschelndem Dialekt gibt er sich als Pistenkontrolle zu erkennen. Ah, ok, ja, es ist 16:15, und die Sonne hat sich bereits hinter dem Ortstock schlafen gelegt. Wir verständigen ihn, dass wir die Bahn nicht benötigen, aber gerne noch Schlitten mieten würden zum Runterfahren. Er fährt weiter und murmelt in sein Walkietalkie. Es klappt mit den Schlitten, der bärtige junge Mann vom Mittag händigt ihn uns eigenhändig aus, und wir haben ein Gaudi mit diesen wendigen, leichten Modellen.
An der Talstation geben wir sie ab und joggen zur Standseilbahn, welche uns zeitnah prompt hinunter gondelt. In der Kabine spricht uns eine deutsche Frau an, ob einer von uns Oskar sei und wir uns oben getroffen haben. Es stellt sich heraus, dass sie sein Portemonnaie gefunden hat. Ein Päärchen mit Hund im gleichen Abteil mischt sich ein und meint, es habe ein Telefongespräch bei der entsprechenden Hütte mitgehört. Die Nummer des Verlierers könnte man so in Erfahrung bringen.
Der Bus fährt uns durch die Dörfchen und es dunkelt langsam ein. In Schwanden steigen wir in den Zug um und rufen im Schützenhaus an. Stefan freut sich riesig, dass wir kommen. Dort angekommen, weint er uns etwas ins Ohr, dass einfach Tote Hose sei: Es komme niemand. Tatsächlich sind wir allein. Zwar kommen dann noch zwei Paare nach, aber voll ist es wirklich nicht. Warum das so ist, können wir nur erahnen: In Glarus gibt es eine grosse Impfskeptiker-Gemeinde, die sogar Plakate am Bahnhof aufhängte. Aus der Röstikarte wählen wir die Vegi-Variante und sind, wie immer, begeistert. Als wir kurz vor dem Bahnhof durch eine kleine Gasse kommen, kreuzt uns ein Frauenpaar, das Hand in Hand geht. Die eine grüsst uns auffällig laut und deutlich. Man kann in Glarus also lesbisch sein, kein Problem. Man kann auch schwul sein, kein Problem. Aber man darf nicht geimpft sein! So kommt es uns irgendwie vor.
Fazit: 4:46 h Laufzeit, 875 m Auf- und Abstieg.


















Umwerfende Eisgrottenfotos. Erstaunlich, dass die Zapfen auf dem Boden so dick sind. Ich habe das noch nie so gesehen.
Da wir wussten, dass ihr in Braunwald seid, haben wir auf dem Gartensitzplatz in der Sonne Kaffee getrunken, mit Windjacke und Halstuch und uns vorgestellt, dass wir auf dem Gumen die Bergwelt bewundern würden.
Das sind ja fantastische Eisgrottenfotos, höre direkt zarte Klang- Tropfen- Töne, bezaubernd, danke!