
Freitag. Gestern feierten wir Martins 55. Geburtstag. Ganz vernünftig, zu viert, mit den Schwiegereltern. Am Abend zogen wir uns drei Folgen der 4. Wilder-Staffel rein und gruselten uns zusammengekuschelt auf dem Sofa.
Heute fahren wir wieder einmal auf den Albispass und ahnen noch nicht, was wir noch alles erleben. Es ist bitterkalt, als wir aus dem Postauto aussteigen und stärken uns erst mal im Restaurant. Ein kleines, rotes und sehr anhängliches Büsi miaut uns beim Hinausgehen flehend an und heischt nach Streicheleinheiten. Trotz meiner Allergien kann ich nicht widerstehen. Wir kommen an sogenanntem Spechtholz vorbei, in 5 m Höhe abgetrennte, kranke Bäume, welche für die Vögel nun zur Verfügung stehen. Über den Hochwachtturm, den wir diesmal links auf einem zugeschneiten Weglein umschiffen, laufen wir auf dem Grat an der Schnabelburg vorbei zur Schnabellücke und schliesslich über Bürglen, dem höchsten Punkt der Albiskette und der Fotolücke, einem Stück abgerodetem Wald, von wo aus man die Alpen inklusive Mönch, Eiger & Jungfrau sieht, zum Restaurant Albishorn. Dieses wird seit diesem Jahr von einer Frauentruppe geführt. Mägi hat unsere Reservation entgegengenommen und uns im sonst leeren Zürcher Stübli einen Tisch angeboten, wo wir das tolle Panorama vom Säntis zum Glärnisch geniessen, das jetzt noch toll beleuchtet ist. Eine Schneefront ist ja angekündigt. Alle anderen Gäste sind vorne geblieben. Es gibt, wen wunderts, Salat mit Röschti. Mhmmmmmmm!
Der Strasse entlang gehen wir hinunter nach Hausen und zur Bäckerei Pfyl, wo wir den Dessert geniessen und die Schneefront abwarten. Im Gestöber gehts weiter, wo wir eine von den zwei Jonen finden, und wir machen diverse Wortspiele damit. Ionen sind ja bekanntlich geladene Teilchen. Es gibt Anionen und Kationen, und in den Nerven gibt es einen Ionenfluss. Wenn ein Ionenstrom umgeleitet wird, ändert sich das Magnetfeld, woraus man Strom gewinnen kann. An einem Schuppen, um den der Jonenbach herumkurvt, ist eine Stromleitung angebracht, was uns natürlich sehr amüsiert.
In Kappel, genauer Näfenhäuser, ist das Zwinglidenkmal, welches wir kurz besuchen. Dahinter erspähen wir eine Herde Wach-Schafe. Es sind also doch nicht alles Schlaf-Schafe, wie manch belämmerte Zeitgenossen uns weis machen möchten.
Das Kloster Kappel erscheint in strengen, vertikalen Linien. Drinnen sehe ich nun endlich den sagenumworbenen Globi, genauer die 500 Jahre alten Fresken der Familie Gessler. Wir verlassen das ansonsten düstere Gebäude und machen uns auf die letzte Etappe Richtung Baar. Wir kommen an diversem Getier vorbei: Noch ein rotes, anhängliches, miauendes, um die Beine streichendes Büsi; drei ultraherzige Zwergponis, welche sofort zu uns kommen und gestreichelt werden wollen, ein erst bellender Hof-Hund, der sich dann aber vor uns im Dreck wälzt, um danach an uns raufzuhüpfen vor lauter Freude; an einem Hof mit Kälber in Einzelhaft, dafür mit einem kuschligen Stall mit hornlosen Ziegen, wobei sich eine davon genüsslich von uns kraulen lässt; und zu guter Letzt ein paar stolze Pferde, die wie wild in ihrem 50 m-Auslauf im Kreis herumrennen und nach 5 Minuten plötzlich wie ferngesteuert alle miteinander Richtung Osten schauend verharren (genau diesen Moment konnte ich noch filmisch festhalten).
In der Baarer-Bahnhofunterführung bestaunen wir die Wandgestaltung, welche Martins Cousin gestaltet hat. Sie zeigt eine Seenlandschaft mit Birken und riesigen Eisbergen. Imposant!
Die Rückreise mit dem Schnellzug ist kurz und schmerzlos, auch wenn wir uns wie im Restaurant wähnen. Maskenverweigerer, welche wohl ungeimpft und stolz auf ihr unsoziales Verhalten sind, sind ja bekanntlich unbelehrbar und neigen zu Gewalt. Sollen sie sich doch durchseuchen, aber bitte mit Patientenverfügung, wegen den vollen IPS…





















Ich meinte die Wilhelm Tell Geschichte sei von einem Deutschen (Schiller) erfunden worden… Nun zeigt ihr mir aber, dass mindestens der Gessler existiert hat – oder? Im Jonenbach hat Martin einen Fisch festgehalten – fotografisch natürlich.
Weiter so – auch im Neuen Jahr – danke.
Südlich von Kappel beim Hof Leematt ist zwar ein Weg auf der Karte eingetragen, aber er verliert sich immer mehr im Morast. Ist hier das Weiterwandern unerwünscht? Aus Erfahrung habe ich eine Vermutung, was das bedeuten könnte. Wenn die Gemeinden ihr Wegnetz nicht zusammenhängen, ist oft eine Kantonsgrenze im Spiel. Ein Blick auf die Karte verrät: Der Nichtweg durch den Morast führt hinab zu einem Brücklein, und dort im Bach verläuft die Grenze zum Kanton Zug. Bingo! Auf Zuger Seite heisst uns eine schöne Treppe willkommen.
An Neujahr hatten wir einen ähnlichen Fall an der Südflanke der Lägern. Dort führte uns ein morastiger Bikertrail von einer Wegkurve auf Otelfinger Gemeindegebiet zu einer Wegkurve auf Wettinger Gemeindegebiet. Über die Aargauer Kantonsgrenze.
Ja, die Kantonsgrenzen lassen sich also noch immer entdecken. Vielleicht gibt’s noch Fundamente im Morast von Zollhäuschen.
Neuerdings wird man ja wieder bestraft, wenn man ennet der Grenze, im suspekten Ausland einkauft. Man soll nach einer Mehrheit in Bern, den Schweizer Monopolisten und Trusthalunken, mit ihren horrenden Aufschlägen auf die Chinaware, zwangsweise Geld in deren Rachen werfen.
(Beispiel: Sennhauser Kopfhörer für schwerhörige TV Konsumenten: Sennhauser Schweiz ca. 250.- zu beziehen bei den hiesigen Hörapparate Gaunern für 370.-; unerwünschter Import aus Deutschland ca. 180 €).