
Montag. Erster „echter“ Ferientag! Die Wolken hocken noch auf den Bergspitzen und in den Tälern. Doch der Genfersee scheint heute fast wolkenlos zu werden, und so fahren wir mit dem Golden Pass nach Montreux. Die Fahrt ist spektakulär, wir sitzen wieder mal zuhinterst im Panorama-Zug, wo man direkt aufs Gleis sieht und fahren die ganze Fahrt rückwärts. Mega cool! Nach dem Scheiteltunnel bei Les Cases geht es runter durch die Weinberge. Die Aussicht auf den Genfersee und die Savoyer Alpen ist atemberaubend!
Ich bin das erste Mal in Montreux, und so zeigt mir mein Mann die Promenade, erst Richtung Westen und dann zurück nach Osten. Die Blumenpracht in den Beeten, Trögen und Gärten ist unbeschreiblich vielfältig und farbig. Hier wird das viele Geld wenigstens in etwas Schönes investiert. Alle paar Meter ist irgendwas Kunst-Artiges installiert. Mir war bisher nicht bewusst, dass Montreux derart touristisch ist. Sogar Asiaten- und Araber-Gruppen gibt es hier wieder. Unverhofft kommen wir an der Gedenk-Statue von Freddie Mercury vorbei. Im „Eden Palace“ essen wir im Garten fein Zmittag.
Danach schlendern wir weiter Richtung Château de Chillon, welches ich noch als Karton-Bastelbogen aus der Grundschule her kenne. An einem sympathischen Kiosk gönnen wir uns ein Eis. Die nette, ältere Dame mit langen, grau melierten Haaren spricht uns sofort auf unsere Goldbär-Gürtel an. Martin erzählt ihr, dass das unsere „Ehe-Ringe“ seien. Dann dürfen wir auf den zwei Parade-Liegestühlen mit Parade-Blick aufs Schloss Platz nehmen, gratis, obwohl da steht, pro halbe Stunde CHF 2.50. Die orientalische, grosse Tischplatte aus verziertem Messing ist zwar als Deko chic, aber mit ca. 100°C viel zu heiss, um etwas darauf abzustellen.
Das Schloss kommt jetzt näher und näher. Daneben entdecken wir einen lauschigen Badepatz und gönnen uns ein Bad im, für unsere Verhältnisse, warmen Genfersee. Toll, der Blick auf das Schloss und die Berge.
Wir kommen an der Ansaugstelle vorbei, wo Wasser aus dem Genfersee in den Lac de l’Hongrin raufgepumpt wird. So kommt Wasser aus der Rhone in den Rhein! Dieses Speicherseeprinzip wird meines Erachtens viel zu wenig genutzt. Anstatt zwei Stauseen irgendwo in den Alpen zu bauen, könnte man die grossen Seen als unteren Speicher benutzen und müsste nur noch einen Stausee bauen.
Mit dem Zug fahren wir nun von Villeneuve nach Aigle, wo wir das putzige, grüne Zahnradbähnchen nach Leysin besteigen, welches erst durch die Ebene fährt, eine Spitzkehre macht und sich dann frech, fadengerade und steil durch die Rebhänge hinaufkurbelt. Mega! Oben in Leysin angekommen, nehmen wir das Postauto, das uns ohne Umsteigen nach La Lécherette bringt.
Wir nehmen die kleine Waschmaschine in Betrieb. Es hat sich doch schon Einiges angesammelt. Gestern bauten wir das Atelier kurz in eine Turnhalle um und absolvierten brav ein Body Attack.
Auch Tiere haben wir schon viele gesehen. Neben Meisen, Elstern und Rotschwänzchen sichteten wir ein Wiesel, eine Kröte und ein Eichhörnchen im Garten. Letztere beiden sind sogar auf Film verewigt!



















Zusatzbemerkung zur Zahnradbahn Aigle-Leysin:
Bei der Spitzkehre beim Dépôt Aigle steigt unser Lokführer aus, läuft dem Zug entlang zurück, stellt die Weiche von Hand und steigt in den anderen Führerstand ein. Dann fährt er weiter zum Perron der Zwischenhaltestelle, wo alle Neueinsteigenden schon geduldig warten. Dann gehts im rasanten Tempo mit Zahnradkraft den Rebberg hinauf und durch den Wald.
Auf halber Höhe Kreuzung mit dem Gegenzug. Der Lokführer des Gegenzuges, der zuerst war, ist ausgestiegen und hat bereits die Weichen – natürlich auch von Hand – so gestellt, dass wir durchfahren können. Hinter uns stellt er die Weiche, damit er weiter ins Tal fahren kann.
Die Maximalsteigung ist 23%. Ursprünglich fuhren die Wagen bis zur Spitzkehre beim Dépôt als Strassenbahn und wurden erst dann an die Zahnradlok angekoppelt.
Eine geplante Verlängerung der Zahnradbahn bis zur Berneuse (Drehrestaurant Kuklos) wurde trotz erteilter Konzession leider nie realisiert.
Der Bericht von Montreux ist umwerfend. Ich habe in Erinnerungen geschwelgt. Die Götterdämmerung beim Chalet, dann die Stimmung an der Schweizer Riviera, die Kunstwerke und am Schluss habe ich über die Ansaugstelle für das Wasser für den Lac de L’Hongrin gestaunt. Dass Wasser vom See in den Rhein fliessen könnte, das habe ich mir nie überlegt, dabei ist das hochinteressant.
Vielen Dank für den Bericht aus Euren Ferien 2021 – wieder viel gelernt… Das mit dem Chateau im Ring ist geil. 🥰