
Donnerstag. Die 2. Sommerferien haben angefangen und wir reisen wieder ins Chalet. Meine Schwiegereltern Hannelore & Paul haben im Sommer vier Wochen hier oben verbracht und wir sind gespannt, wie es aussieht. Die Treppen- und Balkongeländer sind nun dunkel gestrichen und ergeben so einen einheitlicheren Look. Es gibt viel zu tun: Mit Putzen & Waschen bringen wir den Morgen hinter uns und gehen am Nachmittag durch die Schlucht, Eis beim Hof Berceau, zum Vita Parcours und anschliessender Badiplausch. Danach laufen wir den Fluss hinab nach Les Moulins in die Bio-Käserei und mit dem Bus zurück.
Freitag. Ein heisser Tag soll kommen, deswegen wählen wir eine eher im Schatten verlaufende Wanderung von Flendruz nördllich hinauf und links um den kleinen Berg herum. Erst passieren wir ein verwunschenes Täli mit liebevoll montierten, silbern glänzenden Ketten, um sich dran zu halten. Weiter oben ist die entscheidende Abzweigung durch den Wald versperrt: Holzschlag! Grrrrr! Wir schleppen uns in der prallen Sonne das Alpsträsschen hinauf und essen im Schatten einer kleinen Baumgruppe Zmittag. Weiter gehts hinab, wo uns ein Google StreetView-Wagen entgegenkommt. Offenbar dürfen sie wieder. Auf den Weiden ist ein Disc-Golf-Parcours eingerichtet zur Bespassung ganzer Familien und Sippen. Man muss eine Art Frisbee in Körbe werfen und sich wie beim Golf von Loch zu Loch hangeln. Bald schon sind wir im oberen Teil von Château d’Œx, sehen erstmals, wo das Spital ist und wo genau der Bahnhof „La Palaz“. Der Weg über die „Grand Rue“ ist nur kurz. Die inzwischen verlassen wirkende Talstation der Seilbahn sieht bedauernswert aus. Verwitterte Holztiere sind hier zwischengelagert, und die Gondel wartet geduldig auf Godot. Im Coop besorgen wir das Nötige und gönnen uns noch ein Eis beim Hof Berceau, bevor wir wieder ins gleichnamige Bad gehen. Es macht Spass, auf der Rutsche (Toboggan) die kleinen, frechen, sich vordrängelnden Bubis im Auffangbecken unten mit einem kleinen Tsunami wegzuspülen. Wir besuchen Daniel beim PotagŒx unten, doch er ist, wie gestern, nicht da oder macht nicht auf. Erst im Hofladen steht er plötzlich hinter uns und freut sich mächtig. Nach dem Einkauf, Yaëlle & Bastien sind auch anwesend und tauschen ein paar Nettigkeiten aus, gehen wir noch kurz mit ihm schwimmen. Er besitzt ein Stück Wald, das seinen Hof und die Saane verbindet. Eine Familie mit vielen Kindern macht sich hier breit, will grillieren und fischen. Beides ist nicht das, was Daniel glücklich macht. Dafür hat er im Frühling eine neue PV-Anlage aufs Dach gebaut und wir geben ihm den Tipp mit den Salzbatterien, da er kein Lithium möchte. Win!
Samstag. Wieder ein heisser Tag! In La Tine, Saane-abwärts, steigen wir aus dem Golden Pass-Zug und steigen auf der Waldstrasse etwas hinauf und wieder zurück Richtung Osten. Auf einer kleinen Alp werden wir per Plakat vor Herdenschutzhunden gewarnt. Verhalten: Warten, bis sie sich beruhigen. OK. Natürlich bellt er uns schon von Weitem an. Es ist zum Glück nur einer. Warten. Er beruhigt sich. Einen Meter weiterlaufen. Er bellt. Warten. Er beruhigt sich. Nach dem 5. Mal ist es uns zu blöd und wir laufen vorsichtig an ihm vorbei. Er wedelt die ganze Zeit mit dem Schwanz und schaut uns schräg an, so quasi „sorry, ich mach nur meinen Job“. Wir loben ihn und er lässt uns passieren. Am Stausee unten staunen wir, denn dieser ist zu grossen Teilen wie verlandet. Überall Sandbänke. Aber viel mehr Wasser kann er nicht fassen. Ob wohl die Unwetter so viel Sand und Kies hineingespült haben? Auf dem heissen Veloweg kommen wir schleppend voran. Im Schatten eines Stalls mit Baum essen wir. Weiter unter gleissender Sonne zum Le Sapalet, dem Biohof mit grossem, schönem 7 x 24-Self-Service-Laden und Blick direkt in die Käserei und auf das Kupferkessi. Glacé! Dann weiter Richtung La Chaudanne, doch das Restaurant ist zu. Vielleicht besser, denn der Lärm der vielen Motorräder ist ohrenbetäubend. Wir gehen weiter flussaufwärts. Auf einem Bänkli rasten und trinken wir. Die Hitze, und das ist neu, macht mir zu schaffen. Irgendetwas ist anders als vor ein paar Jahren, genauer, seit wir Corona hatten. Wir schaffen es aber doch, in die Badi zu kommen. Wir sind langsam Stammgäste, und als die Bedienung sich gewahr wird, dass sie uns nur einen einfachen anstatt wie bestellt einen doppelten Espresso gebracht hat, wird uns dieser spendiert!
Sonntag. Es hat geregnet, Nebel zieht auf, die Temperatur sinkt. Wir bleiben im Chalet. Lesen, trinken Kaffee, absolvieren eine Yoga-Lektion.
Montag. Wir befinden uns in einer transparenten Luftschicht. Aber unten und oben sind dichte Wolken. So ist es auch auf dem Col du Pillon, der Talstation des Glacier 3000. Eigentlich wollten wir über die Berge nach Étivaz gehen, doch wir würden nur im dichten Nebel irren. Es ist kalt! Wir gönnen uns im Restaurant Blaubeerkuchen. Das Kunstwerk wird auf einer schwarzen Schiefertafel serviert, verziert mit Konfitürentröpfchen, einem stilisierten Bergpanorama aus Puderzucker und einer Hüppe, die dazu einlädt, die Berge aufzusaugen. „Das wäre dem Koch zuzutrauen“, meint die Bedienung, belustigt darauf angesprochen. Und so gehen wir vergnügt dem Flüsschen entlang hinunter nach Les Diablerets und weiter bis zur Bahnstation Sur-le-Buis. Es ist eine wirklich winzige Station. Das Häuschen ist um das Wartebänklein herum gebaut. Der Bahnsteig (immerhin hat es einen!) ist nur etwa 5 Meter lang. Dem Lokomotivführer muss man winken, damit er hält. Es klappt. In Le Sépey steigt eine ganze Schulklasse, die meisten mit Rollkoffern, in den sonst normalerweise leeren Bus. Der Lehrer hat jedoch ein super dreidimensionales Vorstellungsvermögen und packt alle Koffer so geschickt aufeinander, dass der Stapel 1. auch in den engen Kurven hält und 2. den Gang frei lässt. Chapeau!




































Ich kann Rolf nur zustimmen, schöne Fotos, wie gewohnt. Die Fotos von Chateau d`Oeux einmal aus einem anderen Winkel. Eifach schön.
Habt iht in La Tine das Hotel in der Nähe des Bahnhofs gesehen? Wurde mit Hilfe der Berghilfe ans Wohnhaus angebaut. Muss ein Flop sein. Der See mit dem roten und gelben Postauto gefällt mir. Wo ist der Shop La Sapalet? Von den ausrangierten Holztieren würde eines in meinen Garten passen. Man müsste dem Murmeltier ein Vorderbein an den Körper operieren. Oder müsste ich den Holzbock nehmen? Eindrücklich der Besuch der alten Dame.
Die Schulklasse kommt ja nach La Lécherette, damit alle ihr Französisch verbessern können. Im Postauto dann der Alptraum jedes Französischlehrers: Die Postautochauffeurin bekommt einen Anruf und fragt in den Bus: »Est-ce qu’il y a un enfant de sept ans dans le bus?« Darauf ein Schüler: »Yes, there was a child, but it has already got out.«
Zuckerlinie – ich hab’s gelesen, aber neu ist der Hüppen-Sniffer als Tarnung. Mich erstaunen die vielen Bähnlein in der Wildnis. Sehr schöne Fotos, wie gewohnt.