Aussicht vom Restaurant Triemel, Mitte: Weisshorn

Freitag. Wir haben einen tollen Winterwanderweg entdeckt, an dessen Ende eine 12 km lange Schlittelpiste auf uns wartet. Wir recherchieren & klären ab. Es hat ja gestürmt und geschneit am Mittwoch. Doch die Webseiten geben grünes Licht, alles i.O. Also los: 6:20 Tagwach, 7:38 Zug nach Zürich, Kaffee im Hiltl Pöstli, 8:38 Zug nach Chur, 10:08 Bähnchen nach St. Peter-Molinis, wo der Shuttlebus schon wartet und uns nach Fatschél hinaufchauffiert, zur Talstation des Sessellifts. Uschi, die eher reservierte Billettverkäuferin, meint auf die Frage, ob der Winterwanderweg offen sei, sie wisse nichts anderes. Also los, hinauf. Oben an der Bergstation erwartet uns ein junger, tätowierter Partylöwe mit lautem Schunkel-Techno, grinst uns an und meint „coole Bärte habt ihr!“, oder so. Wir sind entzückt, mal was anderes als Samichlaus, Alpöhi oder Taliban. An der ersten Wegbiegung hockt ein weiterer junger Mann auf seinem Mini-Pistenbully, grinst uns ebenfalls an und meint „jetzt kommen die Bärte, cool!“
Kurz darauf sitzen wir auf der sonnigen Terrasse des Triemel. Die Rösti mit Spiegelei ist köstlich und der Salat erfreulich frisch, das Panorama umwerfend.
Wir sind früh dran und freuen uns über alles. Der Weg ist gut präpariert und nach einer halben Stunde schlürfen wir noch kurz einen Espresso im inzwischen vollen Skihaus Hochwang, welcher uns liebenswerterweise von einer emsig umherschwirrenden Asiatin in Windeseile gebraut wird. Beim Weitergehen staunen wir ob des Panoramas: Im Osten die Weissfluh oberhalb Davos, rechts unten Langwies und das imposante Bahn-Viadukt. Das Weisshorn, wo wir schon im Winter hinaufgestapft sind, und Tschiertschen, ebenfalls eine schöne Winterwanderungs-Erinnerung.
Doch dann hört der Weg abrupt auf. Einfach so. Hier hat der Pistenbully kehrt gemacht und ist nach Hause gefahren. Die pinken Stöcke, welche die Winterwanderwege offiziell kennzeichnen, sind weiterhin gesteckt. Schneeschuhspuren führen schnurstracks nach oben in die Richtung, in die wir wollen. Aber wir sinken immer wieder ein, es ist wirklich mühsam, und oben auf der Krete kehren wir wieder um. Wie enttäuschend, trotz Panorama. Aber es ist besser, denn wir wären stecken geblieben oder vor Hunger im Schnee erfroren.
Zurück an der Sesselbahn-Bergstation nehmen wir unseren Charmeur in die Pflicht. Dieser walkie-talkt umgehend mit seinen Kollegen und -innen, und langsam, aber sicher wird klar: Da ist ein Fehler passiert! Ich schaue mich ein bisschen um und sage dann zu ihm: „Hmm, ihr habt keine Schlitten da oben. Aber ich würde das Angebot gerne in Anspruch nehmen.“ Worauf er sofort eingeht, obwohl er mir ja nie das Angebot machte, und organisiert für uns zwei Schlitten, mit denen wir, nach dem wir uns ein weiteres Mal im Triemel verköstigt haben, hinuntergleiten. Drei kleine Knirpse mit Helm teilen sich einen Davoser Schlitten und fahren erstaunlich geschickt den Berg hinunter. Manchmal kullern sie aus den Kurven oder überschlagen sich, aber da sie so leicht sind, sieht es aus, als ob es junge Pandas sind, die miteinander spielen.
Uschi sitzt noch immer hinter Glas, doch wir lassen sie links liegen, weil der Shuttlebus gerade losfährt zum Bahnhof hinab. Um 16:13 ist Sonnenuntergang, der Zug fährt um 16:16. Dann fahren wir in die Nacht hinab, um in Chur unten wieder ans Licht zu kommen. Die Postautostation ist ja bekannt für ihre imposanten Lichterscheinungen dank eindrücklicher Architektur, so auch jetzt.

Die Stehbar im Triemel
Winterwanderweg, wie er sein soll
Blick nach Tschiertschen (Foto: Martin Heimgartner)
Winterstimmung
Skihaus Hochwang (Foto: Martin Heimgartner)
Winterwanderweg, wie er nicht sein soll: Fertig!
Kein Winterwanderweg, obwohl ausgesteckt
Bushaltestelle Chur