Montreux

Dienstag. Von Les Avants nach Sonloup hinauf fährt eine Standseibahn. Klein, fein, automatisch und schneckenlangsam. Perfekt für ein Video mit 10-facher Geschwindigkeit. In der Talstation steht die Kabine derart schräg, dass uns fast schlecht wird und wir uns setzen müssen. In der Bergstation kann man durchs Fenster die nostalgische Technik sehen, die deswegen die ganze Zeit läuft, weil Techniker, kaum sind wir ausgestiegen, mit der Bahn spielen. Ein bisschen runter, dann rauf, wieder hinab und so weiter. Dass das Restaurant hier oben nun eine Klinik ist, lässt uns scherzhaft einen Zusammenhang konstruieren ob diesem Spieltrieb. Die Klinik wirbt übrigens damit, „World’s Best Private Inpatient Luxury Rehab Center“ zu sein. Nur falls jemand das Bedürfnis und das nötige Kleingeld dazu hat… Den zweiten Fitnesscoach können wir wärmstens empfehlen!
Unser Ziel sind Les Pléiades, ein Hügel, auf den der „Sternenzug„, eine Zahnradbahn von Vevey aus, fährt. Doch das müssen wir uns erst verdienen mit 3 h 33 ‚ Wanderzeit. Wie so oft hier in der Gegend traversieren wir durch steile Waldpartien, in einem grossen Bogen nach hinten ins Tal, wieder zurück und auf Holzstegen durch ein Hochmoor. Die Holzarbeiter und -innen dösen und tiktoken gerade in der Mittagspause. Unvermittelt gewahren wir eine Informationstafel und ich traue meinen Augen nicht! Da sind Sonnentau und Kannenpflanzen, beides fleischfressende Pflanzen, abgebildet. Erst dann sehen wir, dass das ganze Moor vor uns voll mit Kannenpflanzen bewachsen ist, welche hier gar nicht einheimisch sind! Ich bin baff. Die Tafel lehrt uns, dass sie vor 100 Jahren eingeschleppt wurden, nicht invasiv sind und man sie deswegen in Ruhe gedeihen liess. Sonnentau allerdings sehen wir keinen.
Bevor wir zum Gipfel aufsteigen kommen wir am Restaurant 1209 vorbei, welches in der offiziellen Landestopografiekarte noch nicht eingezeichnet ist, obwohl es bereits 2017 eröffnete. Wir ziehen diese Küche der geplanten auf dem Berg vor und werden nicht enttäuscht: Ein Risotto mit einem frischen Kräuter-Tomme vom Hang gegenüber, angereichert mit hellgrünen, gebogenen Böhnchen. Ein Traum! Espresso und weg sind wir.
Les Pléiades überrascht uns mit einer Freilichtausstellung über das Sonnensystem, unsere Galaxie und das Universum. Leicht und verständlich wird hier von der Sonnenfinsternis über die Jahreszeiten zur Distanzbestimmung von Sternen alles erklärt, von unserem Standort in der Milchstrasse über unsere Nachbargalaxien bis zur geschätzten Grösse des gesamten Universums. Toll!
Auch hier gönnen wir uns einen Espresso, schauen auf den Genfersee hinab und fahren anschliessend mit der erwähnten Zahnradbahn nach Vevey. Am Rande des Marktplatzes am See entdecke ich einen Glacestand. Normalerweise bin ich da skeptisch, aber ich traue mich näher ran und mache eine Entdeckung: Cuckoo, das beste Eis der Welt, tatsächlich! Mit dieser feinen Köstlichkeit im Magen gehen wir schon fast im Stechschritt in Richtung Montreux. Anfangs noch durch lauschige Uferzonen, die zum Bade laden würden, zwischenzeitlich jedoch leider der Hauptstrasse entlang. Doch wenn wir die letzte Verbindung erwischen möchten, dürfen wir nicht trödeln! In Montreux angekommen, reicht es noch für ein Fussbad im See und dann gehts via Aigle zurück nach La Lécherette.

Les Avants – Sonloup, 10-fache Geschwindigkeit
Blick nach Les Avants hinunter
Der nostalgische Maschinenraum
Früher Restaurant Sonloup, heute Klinik Les Alpes
Von Sonloup aus: Dent de Jaman
Blick auf den Genfersee
Steile Traversen
Grosser Goldbär ganz klein
Kleiner Goldbär ganz klein
Fleischfressende Kannenpflanzen
Fleischfressende Kannenpflanzen
Fleischfressende Kannenpflanzen
Geheimtipp: Restaurant 1209
Geheimtipp: Restaurant 1209
Les Pléiades: Sonnenfinsternis schön erklärt
Les Pléiades: Das Universum schön erklärt
Blick von Les Pléiades auf den Genfersee
Bestes Eis ever! cuckoo.ch