Donnerstag. Jeannette Eggenschwiler vom Tele Züri versprach uns ein paar Sonnenstunden für heute. Schon am Morgen ziehen ein paar Wolkenlöcher durch und brennen uns für ein paar Minuten auf die Fontanellen. So sind wir motiviert, nach dem Zmittag doch ein paar Stationen nach Westen zu fahren. Wir treffen Brigitte vom Bioladen auf dem Zug. Sie schleppt diverse Taschen und einen schönen, alten Korbwagen mit sich, voll mit leckeren Esswaren. Sie wollte letzte Woche über die Gocht hoch oben über dem Walensee. Doch glücklicherweise hat sie den Plan fallen gelassen, zu schlecht sind die Verhältnisse momentan und der blau-weisse Weg ist nicht zu unterschätzen. In der Tiefenwaag steigen wir aus und es fängt an zu regnen. Mutig ziehen wir los, um nach ein paar Metern die Regenjacken anzuziehen, nur um sie uns nach ein paar Minuten wieder vom Leib zu reissen. Es trocknet ab und ist abwechselnd heiss und kalt, je nachdem, ob gerade eine Wolke oder ein Wolkenloch über uns herzieht. Über das hübsche Dörfchen Freienwil, wo sagenhaft schöne Gärten bereits in voller Blütenpracht um die Wette strahlen, und den winzigen Weiler Husen mit einem noch winzigeren Kirchlein erreichen wir das Teichlein, wo wir vor etwa sechs Wochen Froschlaich in Hülle und Fülle vorfanden. Doch es ist nichts mehr übrig. Kein Ei, keine Kaulquappe, kein Frosch, nichts, nada, rien. Der viele Regen hat sie wohl alle in den unteren Teich gespült, direkt in die gierigen Mäuler der Karpfen, die dort fett und träge ihre Runden drehen. Frosch-Kaviar für Karpfen, wie edel.

Richtung Freienwil (Foto: Martin Heimgartner)
Kastanienblüten in Freienwil (Foto: Martin Heimgartner)
Blütenpracht (Foto: Martin Heimgartner)
Blütenpracht (Foto: Martin Heimgartner)
Husen (Foto: Martin Heimgartner)

Weiter gehts nach Degermoos, wo wir an einem Biohof vorbeikommen, der Bio-Raps anbaut. Laut den Bauern, die sich gegen die Argarinitiativen stellen, ist das ja unmöglich. Doch sowohl unser CH-Bio-Rapsöl aus dem Bioladen als auch dieser Hof hier beweisen das Gegenteil. Wir kommen ins Gespräch mit der jungen Bäuerin und sie freut sich offensichtlich über unser Interesse.
Der Weiler ist eine regelrechte Oase. Hier ist auch die Kulturschür, die wir in einer Folge „Mini Schwiz dini Schwiz“ gesehen haben. Selbst die Tiere sind hier ganz entspannt, von den Schafen, die unsere Hände ablecken, den Hühnern mit dem schönen Gockel, die neugierig zu uns her kommen über die Kühe, die interessiert gucken und glucksende Geräusche von sich geben, bis hin zu den Büsis, die, etwas träge, aber liebeshungrig, sich sogar von ihren bequemsten Loggias erheben und zu uns torkeln, um sich streicheln zu lassen.

Und es geht doch: Das Geheimnis des Bio-Raps
Geht uns auch so. (Foto: Martin Heimgartner)
Blick zurück nach Degermoos

Wir kommen an einem Feld vorbei, das mit Blut-Klee umrandet ist. So habe ich das noch nie gesehen: Was für ein rot! Was für ein Duft! Wie Männertreu riecht es, nach Vanille und Schokolade. Und auch hier, wie uns schon den ganzen Nachmittag über aufgefallen ist, laben sich Hummeln in allen Grössen und Arten an den diversen Nektarquellen. Ein paar habe ich filmisch eingefangen und mit dem bekannten Hummelflug der Klassik-Rockband „Ekseption“ unterlegt. Diese Musik kenne ich seit dem Kindergarten, als mein Bruder Thomas in der Oberstufe ein Marionettentheater mit eben diesem Soundtrack aufgeführt hat: Der Zauberlehrling. Die LP „Trinity“ habe ich vor- und zurück angehört und sie gefällt mir noch heute ausserordentlich.

Eigentlich wollten wir das aufgeweckte, weisse Huhn besuchen, das im Zweiere-Hof oberhalb von Lengnau haust. Letztes Mal hat es uns ja freudig empfangen und uns erst seinen Aussenbereich mit Sonnenterrasse und anschliessend seine Einzimmerwohnung mit Velux-Fenster und Jalousie gezeigt, von wo es erwartungsvoll rausgeschaut hat, um unsere Bewunderung für sein schönes Zuhause zu empfangen. Doch oh Weh oh Graus, aus ists mit dem Haus. Es ist weg, und das Gras ist runtergedrückt, wo es gestanden hat, und vom Huhn keine Spur. Ob es wohl in die Sommerresidenz disloziert ist? Oder gar im Kochtopf gegart wurde?
Neben der Synagoge ist nun auch die Beizenterrasse wieder offen. Und zum ersten Mal in diesem Jahr sitzen wir in einer solchen ab und geniessen einen kleinen Copue Dänemark und einen Doppio. Anschliessend schlendern wir durch das blühende Paradies der grossen Schau-Gärtnerei und decken uns mit Lupinen, Gurken, Zucchetti, Currykraut, rotem Basilikum und Orangen-Eisenkraut ein, alles in Form von Setzlingen. Zu Hause angekommen, bauen wir die entsprechenden Pflanzen in den vorderen und hinteren Garten ein. Der Rest kommt dann an die Bergstrasse zu den Eltern Heimgartner auf das Sonnenbeet Nr. 8. Solange es über 10°C ist, wachsen die Pflanzen, meint unser Nachbar Peter. Wir hoffen dass er recht hat.
Inzwischen stösst unser Ingwer, der im Wohnzimmer überwintert hat, seinen ersten Trieb aus dem Erdreich! Unsere Zucht scheint zu funktionieren…