
Mittwoch. Komm wir gehn nach Genève! Gesagt, getan. Die Fahrt von Aigle aus beträgt nur 77 Minuten. Und schon steigen wir im kosmopolitischen Hotspot aus. Der Bahnhof ist mit beige-hellbraunem Granit verkleidet, so genanntem «Madura Gold», welcher aus Indien hergekarrt wurde. In der Haupthalle befinden sich zwei verblasste Gemälde. Eines zeigt die Schweiz mit den Hauptverbindungen, das andere Europa. Etwas aufgepeppt und begradigt erkennt man alles sehr deutlich. Wir finden den Weg zum See und zum Wahrzeichen von Genève: Dem Jet d’eau. 140 Meter hoch und 500 Liter Wasser in der Sekunde bei 200 km/h. Noch mehr beeindruckt der Stromverbrauch: 1 Megawatt! Strom sparen geht anders. Immer wieder kommen wir an bedeutenden Statuen und filigranen Brunnen vorbei. Es ist bereits Mittag, und so suchen wir uns einen Platz in einem der zahlreichen Restaurants mit Aussenbestuhlung. Manche sind so klein und eng, ein Hühnerstall wäre eine Oase des Raumes dagegen. Bei einer oriantalischen Prinzessin, die erst nachfragen muss, ob sie Quatre Fromage Pizza servieren können, obwohl es an der Tafel am Eingang angeschrieben ist, und dann nochmals nachfragen muss, ob sie Jus de Pommes haben, werden wir nicht glücklich und laufen davon. Bei einem blonden Jungbärchen, etwas näher an der Kathedrale, bekommen wir Tartine, was wir erst fälschlicherweise als kleine Tarte missverstehen. Es ist eigentlich ein Toast, hier glücklicherweise eine dünne Vollkornbrotscheibe, darauf Tomatenscheiben, Avocadocrème und wahlweise Feta oder Büffelmozarella. Ein winziges grünes Salätchen in einem winzigen Schälchen gibts dazu. Aber es ist ausserordentlich fein, und der Feigen- & Schokolade-Birnen-Kuchen mit Kaffee runden das kleine Essen ab.
Wir besuchen die Kathedrale mit ihren zwei unterschiedlichen Türmen und dem üppigen Glockenspiel. Der junge, einsame Billetverkäufer im düsteren Kabäuschen strahlt mich und mein Regenbogenshirt an, als ich den Eintritt zur Turmbesteigung kaufe. Die Eingangstüre ähnelt eher der eines Escape-Raumes: Gefährlich klein, dunkelrot beleuchtet und mystisch, davor ein elektronisches Drehkreuz. Im Turm winden wir uns die engen Wendeltreppen hinauf, die immer enger werden. Da passt nur noch knapp eine Person hinein, deswegen es auch Rot-Grün-Phasen gibt. Trotzdem kommt es zu Kollisionen, und man muss in den Nischen rangieren. Im Südturm wohnte einst der Wachmann in der Wohnung, die den gesamten Grundriss des Turms einnimmt. Er hielt wohl Ausschau und konnte Gefahren und Brände mit einer eigenen Glocke melden und hatte sogar ein eigenes WC! Auf dem Nordturm kann man ringsum auf einer schmalen Terrasse das Panorama der Stadt bewundern. Als wir, unten angekommen, aus der kleinen Türe wieder in das Hauptschiff herauskommen, fühlt es sich tatsächlich so an, als wäre man einem gefährlichen Abenteuer entkommen!
Neben der Kathedrale finden wir ein hübsches Kaffee, wo uns schon wieder ein Jungbärchen bedient und mit Glacée und Kaffee verwöhnt. Eine Tomate wächst aus einem Spalt im Asphalt und findet es offenbar toll hier.
Nicht weit davon entfernt befindet sich das Stadthaus mit seinem Innenhof, wohin Martin einst extra für ein Konzert hergereist war, und dem schräg verlaufenden Aufgang, auf dem einst der Ratsherr mit dem Pferd in den Raatssaal ritt. Zum Glück hat man diese Unsitte seit der Einführung des Autos nicht beibehalten… Auf einem Monitor wird ein Video präsentiert. Es zeigt unter anderem den Blauen und Gelben Salon, den Alabama-Saal, die monumentale Rampe, den Tour Baudet sowie die Säle von Parlament und Regierung. Hier kann man es online anschauen.
Es reicht uns noch, oberhalb des Reformationsdenkmals auf der Promenade, auf der längsten Bank, die ich je gesehen habe, ein Foto zu machen. Was uns überall auffällt, ist, dass es extrem viele Kleinmotorräder gibt, die in perfekter Anordnung in langen Parkplatzreihen stehen. Eine Disziplin, die in der Deutschschweiz ihresgleichen sucht! Dann ist es Zeit und wir fahren wieder dem Genfersee entlang und ins Chalet zurück.




























Super Bilder. Man kann sich die Reise nach Genf sparen. Zum Glück hattet ihr nicht so heiss. Die Reihe mit den Motorrädern ist schon beeindruckend. Sind das viele Deutschschweizer, die in Genf arbeiten? Die lange Bank kann mich nicht beeindrucken, nachdem ich den langen Tisch am ersten August in Chateau’d. gesehen habe, der durchs ganze Ständchen führte.
Als Abgesandter der eidgenössischen Tagsatzung engagierte sich Pictet de Rochemont auch dafür, dass die europäischen Grossmächte den Beitritt Genfs als weiteren Kanton zur Schweiz akzeptierten und dazu noch Gebiete an Genf abgaben, damit ein einigermassen zusammenhängendes Kantonsgebiet und eine Landverbindung zur Schweiz entstand. Dazu traten Frankreich 1815 etliche Gemeinden nördlich der Rhone und Sardinien-Piemont zahlreiche Gemeinden südlich der Rhone an Genf ab. Dadurch entstand die bemerkenswerte Situation, dass sich mit den »neuen« Dörfern plötzlich katholische Gemeinden im reformierten Genf wiederfanden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Pictet_de_Rochemont
Interessante Karte bei:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Communes_du_canton_de_Gen%C3%A8ve#Communes_r%C3%A9unies